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18. Mai 2012

Die Rückkehr der Legenden

Heute wurde das Profifeld für den diesjährigen Challenge Roth bekannt gegeben, der heuer gleichzeitig die offizielle Europameisterschaft auf der Langdistanz sein wird (nicht zu verwechseln mit der "Ironman-Europameisterschaft", also der privatwirtschaftlichen World Triathlon Corporation in Frankfurt .. das soll ein Nicht-Triathlet verstehen). Natürlich ist wieder ein exquisites Profifeld am Start. Die für mich interessanteste Neuigkeit, wird allerdings nur in einem Nebensatz erwähnt: ".. es wird ein Duell der Roth-Legenden Lothar Leder und Jürgen Zäck geben". Fehlt nur noch ein Thomas Hellriegel, der leider nicht am Start ist. Für mich als jemand, der den Triathlon mit diesen Legenden damals kennengelernt hat und ihre Rennen zumindest teilweise mitbekommen hat, ist das wirklich ein besonderes Highlight und ich freue mich ganz besonders die beiden beim Wettkampf live erleben zu können. Der Begriff "Duell" ist hier vermutlich mehr eine Marketing-Floskel als dass es wirklich noch zu einem Duell kommen kann. Trotzdem stehen da zwei ganz besondere Charaktere am Start, die unseren Sport geprägt haben, deshalb drücke ich beiden die Daumen, dass jeder für sich gemäss seiner persönlichen Ziele einen tollen Wettkampf haben wird!

6. Oktober 2011

Ein Mythos feiert Jahrestag

Am Wochenende geht's wieder rund auf Big Island: der Ironman Hawaii steht an. Aktuell wird man als Triathlet im virtuellen Raum täglich zugeballert mit den aktuellsten Neuigkeiten von der Pazifikinsel. An mir geht es im Vergleich zu den Vorjahren diesmal etwas alles vorbei. Das Interesse ist nicht mehr ganz so gross. Das ist einerseits sicher ein Spiegelbild meiner eigenen persönlichen Interessen: für mich persönlich hatte der Ultratrail du Mont Blanc dieses Jahr im Vergleich zum jetzigen Ironman einfach einen viel höheren Reiz und Stellenwert. Aber auch was das Teilnehmerfeld angeht, ist aus meiner Sicht etwas die Luft raus. Die für mich herausragenden Charaktere der letzten Jahre werden dieses Jahr keine Rolle mehr spielen oder gar nicht mehr am Start sein. Chriss "Macca" McCormick hat dieses Jahr andere Prioritäten und versucht sich wieder mehr auf der Kurzdistanz, Normann Stadler ist leider zurückgetreten. Die Favoriten für dieses Jahr sind ebenfalls herausragende Athleten und werden sicher ein tolles Rennen abliefern, doch echte Typen, die auch Nicht-Triathleten vor den Fernseher locken könnten, vermisse ich etwas. Einzig eine Chrissie Wellington versteht noch das unbeteiligte Publikum in ihren Bann zu ziehen. Und wenn ich am Wochenende das TV-Gerät anschalten werde, dann primär um sie und vielleicht einen Faris Al-Sultan zu sehen. Sollte das Rennen in der Männerspitze aber so werden wie ich es befürchte, dann werde ich mir nebenbei vielleicht lieber nochmal das ein- oder andere Video des Rennens am Mont Blanc anschauen. Last but not least hat die fortschreitende Kommerzialisierung der Ironman Serie bei mir auch ihre Spuren hinterlassen und meine Begeisterung auch für dieses Rennen gedämpft. Nächstes Jahr werde ich deshalb nach bisherigem Stand auch kein weiteres Rennen der Serie bestreiten. Warum auch: die gewachsene Challenge-Serie bietet inzwischen sehr schöne Alternativen für Langdistanztriathleten, die nicht dem Hawaii-Start nachjagen wollen oder müssen. Mit dem Ostseeman oder dem Triathlon in Moritzburg gibt es weitere interessante Langdistanzen in Deutschland. Was bleibt ist der Mythos des Ur-Triathlons, der vor vielen Jahren auf der Inselgruppe im Pazifik als neue Sportart ins Leben gerufen wurde. Vielleicht ist es dieser Mythos, der uns Triathleten auch am kommenden Wochenende wieder vor die Live-Übertragungen im Netz und TV locken wird.

5. Oktober 2008

High Noon zwischen Lavafeldern

Einmal im Jahr bin auch ich als aktiver Sportler zum Zuschauen verdammt. (Sportlich) Passiv klebe ich die halbe Nacht bis in den frühen Morgen vor Computermonitor und TV und erlebe Spannung wie ich sie sonst nur selten bei anderen Live-Übertragungen von Sportereignissen empfinde. Seit 1978 findet jährlich Anfang Oktober auf Hawaii der "Ur-Ironman" - also der älteste und gleichzeitig auch bekannteste Ironman statt. Am 11. Oktober ist es wieder soweit! "Er ist das höchste Ziel der meisten Triathleten .. und gilt als einer der schwierigsten Ausdauerwettkämpfe der Welt. Neben der extremen Länge der Wettkampfstrecke kommen auf Hawaii die erschwerenden Wettkampfbedingungen, denen die Athleten während des Rennens ausgesetzt sind, hinzu. Neben der Hitze von zum Teil über 40 Grad Celsius können die aufkommenden Mumuku-Winde vor allem auf der 180,2 km (112 Meilen) langen Radstrecke das Rennen stark beeinflussen" (Wikipedia). Schon Wochen vorher fangen auch hierzulande die Medien an regelmässig von der pazifischen Inselgruppe zu berichten. So ist es nicht verwunderlich, wenn man auch als dort nicht selbst aktiver Triathlet trotzdem irgendwann in den hawaiianischen Bann gezogen wird und der Berichterstattung in den Fachmedien aufmerksam folgt. Zumal ich einige der Starter dort persönlich kenne.
Die Sportredaktionen der öffentlich-rechtlichen TV-Sender haben dieses Jahr vermutlich das meiste Geld in die Olympiaberichterstattung gesteckt, so bleibt heuer für den Ironman nur noch wenig Sendezeit für Vor- und Nachberichterstattung; eine Livesendung wird es wohl nicht geben. Dafür wird der Wettkampf im Internet mit englischsprachigem Kommentar live übertragen. Eine Zusammenstellung der Übertragungen findet sich hier.

10. April 2007

De Ronde van Vlaanderen 2007 - als Zuschauer

Radsport in Belgien und Holland - das ist etwas ganz Besonderes. Nirgendwo sonst sind die Menschen einer Region so radsportbegeistert wie in den Benelux-Staaten. Als Radsportfan hört man immer wieder von den berühmten Frühjahrsklassikern in diesen Ländern, wie hart sie sind und welche Herausforderung sie für einen Sportler - egal ob Amateur oder Profi - darstellen. So lang es nahe auch selbst einmal dorthin zu fahren und ein Rennen hautnah mitzuerleben. Schon mehrere Jahre spielte ich mit der Idee an der Flandernundfahrt teilzunehmen. Doch erst in diesem Jahr klappt es nachdem ich mehrere Vereinskameraden und Kollegen davon überzeugen konnte, mit mir an dem am Vortag auf der Originalstrecke ausgetragenen Radmarathon teilzunehmen. Von diesem "hautnahen" Erlebnis berichte ich in Kürze. Zuerst nur kurz ein paar Impressionen und Eindrücke des Profirennens.
Die Strecke kannten wir ja schon aus der Berichterstattung und dem selbst erlebten vom Vortag. So entschlossen wir uns zu einem der letzten Anstiege zu fahren, wo die Entscheidung fallen musste und wo man aufgrund der langsamen Geschwindigkeit bergauf etwas mehr von den Radfahrern hatte. Am berühmtesten ist sicher die Muur von Geraardsbergen - die Kapelmuur. Dieser vorletzte Anstieg ist mit seinem Kopfsteinpflaster, seiner Steigung und den Kurven recht schwierig zu fahren und eignet sich wenige Kilometr vor dem Ziel dafür eine Vorentscheidung im Rennen zu suchen.
Schon lange bevor die Profis vorbeikommen, ist die Stimmung an der Muur schon gut. Oben bei der Kapelle wird gesungen und skandiert. Neben vielen Touristen sieht man auch viele Fans - zum grossen Teil im Trikot des Team Quick Step, mit dem der belgische Weltmeister Tom Boonen fährt. Vereinzelt sieht man auch Anhänger des Lotto-Teams und des holländischen Radsportteams Rabobank, der Rest hält sich in etwa die Waage.
Das Profifeld kündigt sich früh durch die zwei nahenden Hubschrauber in der Luft an. Einige Zuschauer haben auch Radios dabei und wissen genau über den Rennverlauf bescheid. Wir warten, die Spannung steigt: werden wir zu Beginn einzelne Ausreisser sehen oder ist das Feld noch eng beisammen? Als die ersten Profis den Anstieg hoch stürmen, kennt die Begeisterung keine Grenzen mehr. Die Arme gehen in die Höhe, ein ohrenbetäubender Lärm. Die einzelnen Radfahrer kann ich nicht erkennen, ob Tom Boonen in der Spitze dabei ist? Ich kann zwar Trikots von Quick Step sehen, zweifle aber aufgrund der Haarfarbe, dass Boonen vorne dabei ist. Eine Entscheidung ist offensichtlich noch nicht gefallen, die erste Gruppe ist zwar lang gezogen, aber noch relativ nah beieinander. Auf den letzten Kilometern wird sich aber zeigen, dass die Hinteren nicht mehr zur Spitzengruppe aufschliessen können. Tom wird 2007 nicht gewinnen können. Nachdem die recht grosse erste Gruppe vorbei ist, gehen wir den Hügel hinab. Doch immer wieder kommen weitere kleinere Gruppen die schmalen Gassen hinauf. Ich hätte nie gedacht, dass auch die Profis, die soweit zurück sind, das Rennen noch zuende fahren. Als sogenannte "Wasserträger" haben sie zuvor ihren Spitzenfahrern geholfen in die Spitze des Rennens zu kommen und die Teamziele umzusetzen. Die Arbeit der Wasserträger ist nun getan und sie könnten eigentlich aufhören - niemand würde ihnen das übel nehmen. Trotzdem fahren viele von ihnen noch zuende. Hier sieht man die Beisterung der Rennfahrer für den eigenen Sport. Ihre Arbeit ist getan, doch es ist eine Ehre das Rennen zu fahren und eine Leistung es zu beenden. Auch wenn sie nur noch unwesentlich schneller als einige der Amateurradfahrer vom Vortag den Hügel hinauffahren, wollen sie das Rennen noch beenden - für sich selbst, aber auch für ihre Fans. Schön zu sehen, dass es diese Einstellung im Profisport noch gibt.
Das Finale des Rennens sehen wir am Fuss der Murr auf einer grossen Leinwand. Schneller als wir dachten sind die Profis im Zielort Ninove. Ein Duo macht das Rennen unter sich aus - von hinten rasen die Verfolger heran, aber sie werden an die beiden Ausreisser nicht mehr herankommen. Die letzten Kilometer macht der Belgier Leif Hoste Tempo - bei diesem Heimrennen muss er natürlich vor dem italienischen Mitausreisser Ballan ankommen. Nur noch wenige Meter bis zum Ziel - von hinten rauscht das Feld heran - Hoste sucht die Entscheidung von vorne - so viel wie er bis hier gearbeitet hat, hat er auch meine Sympathie. Die Begeisterung auf dem Platz ist grandios - jeder feuert Hoste an - doch im letzten Moment kommt der Italiener aus dem Windschatten und überquert mit einem minimalen Vorsprung die Ziellinie. Die ganze Platz um uns herum steht unter Schock, Ernüchterung macht sich breit. Mir tut der Belgier leid, der so toll gekämpft hat, auch die Belgier die ihren Landsmann so frenetisch angefeuert haben - und nun werden beide nicht belohnt. Doch die Leistung des Italieners muss man auch anerkennen, er ist taktisch geschickt gefahren und hat das Rennen somit letztendlich verdient gewonnen. Die gleiche Meinung macht sich offenbar auch langsam auf dem Platz breit. Man freut sich über die tolle Leistung des Belgiers und feiert trotzdem.