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27. Juni 2007

Quelle Challenge Roth 2007

Der Quelle-Challenge Roth 2007 war für mich wieder ein unvergessliches Erlebnis. Wer mich besser kennt, der weiss vermutlich was dieser Wettkampf mir bedeutet. Den Anderen hat sich dies vielleicht im Verlauf dieses Blogs erschlossen. Auch dieses Jahr habe ich in Roth mein Leben um eine Erfahrung bereichert. Doch nicht immer müssen die Erlebnisse so sein wie man sie erwartet – das macht ein Leben so interessant. Das Ergebnis sagt anhand der Zahlen wenig aus, der Wettkampf hatte für mich eine Dramatik wie ich sie noch nie bei einem Wettkampf erlebt habe - Licht und Schatten lagen sehr nahe beinander. Das war im wahrsten Sinne des Wortes eine Herausforderung, die sich nur schwer in Worte fassen lässt, so was kann man eigentlich nur selbst erleben. Ich werde es trotzdem mal versuchen.

Gegen Samstag Mittag trafen wir im Triathlon-Park in Roth ein. Unser erster Weg führte uns zur Einschreibung und Abholung der Startunterlagen. Im Anschluss besuchten wir die Triathlonmesse, informierten uns über neue Produkte und kauften auch einzelne Souvenirs und Teile. Als sich unsere Gruppe nach dem Shopping wieder gefunden hatte, entschlossen wir uns dazu vor dem Anmeldezelt etwas zu essen. Dort waren Imbissbuden mit Spezialitäten aus mehreren Ländern aufgebaut, ich entschloss mich für chinesische Nudeln mit Gemüse. Im Anschluss brachten wir dann unsere Fahrräder zum Bike-Checkin in die erste Wechselzone nach Hilpoltstein. Wieder zurück besuchten wir dann abends noch die Wettkampfvorbesprechung. Bis zu diesem Zeitpunkt war bei mir noch alles ohne Probleme gelaufen. Doch als wir die Besprechung dann verliessen, fühlte ich mich irgendwie unwohl und bekam ein leichtes Kopfweh. Auf der Heimfahrt kam Übelkeit hinzu. Zuhause legte ich mich erstmal auf das Bett, ich vermutete einen leichten Sonnenstich und eine kleine Flüssigkeitsunterversorgung, obwohl eigentlich beides kaum sein konnte. Es passierte aber was kommen musste. Kurz vor dem Abendessen und der abschliessenden Pastaparty – dem vermutlich wichtigsten Essen vor dem Wettkampf – hatte ich mich von einem grossen Teil des Essens in meinem Magen entledigt. Das anschliessende Abendessen fiel zwangsläufig für mich aus und mein Magen wurde bei weiteren Besuchen der Örtlichkeiten vollends geleert. Die Erinnerung an Roth 2002 war plötzlich so präsent wie lange nicht mehr. Damals sollte der Challenge meine allererste Triathlon-Langdistanz werden, doch anstatt dessen musste ich nach kurzfristiger Krankheit meine schon eingecheckten Rad- und Laufsachen am Wettkampfmorgen wieder abholen und gesundheitsbedingt heimreisen. Die Gedanken an ein DejaVu versuchte ich so gut es ging dieses Jahr zu verdrängen und richtete so gut es noch ging meine Sachen für den Wettkampfmorgen, bevor ich mich ins Bett legte – der Morgen würde zeigen, ob ich starten könnte oder nicht. Die folgende Nacht war sehr unruhig, ich versuchte viel zu trinken und musste entsprechend häufig auch raus. Eine Besserung bemerkte ich kaum. Dann am Morgen zu vereinbarten Weckzeit gingen die ersten besorgten Blicke und Fragen meiner Begleiter und Mitstreiter zu mir: „Und?“ Ich wollte es versuchen, es musste gehen. Das Frühstück ging nur schwerlich rein, ich beschränkte mich so zwangsläufig auf das notwendige Minimum. Den Rest musste ich dann eben später während des Wettkampfes in Form von Mineraliengetränken, Energiegels, -riegeln oder anderer Verpflegung zu mir nehmen. Ich versuchte mir einzureden, dass auch trotz diesen grossen Defizits ein guter Wettkampf möglich wäre. Angekommen in der Wechselzone versuchte ich mein Rad so gewissenhaft wie möglich vorzubereiten und hoffte nur, dass ich in dem Dämmerzustand am Vortag nichts vergessen hatte – ich hatte Glück, alles war da und auch meine Schwimmsachen waren komplett. Von der tollen Stimmung im Umfeld bekam ich wegen meines Zustandes diesmal nur wenig mit. Mir schien auch der Andrang an den Toilettenhäuschen in diesem Jahr besonders gross. So schaffte ich es kurz vor dem Start ins Wasser, zum Einschwimmen hatte ich keine Zeit mehr.

Dann das Startsignal, das Wasser fing augenblicklich an zu kochen. Im Gegensatz zu den Vorjahren fing es bei mir recht gut an. Gelegentlich von den Seiten ein paar Schläge waren normal. Dann nach ca. 400 Metern ein Gefühl wie ich es in all den Jahren Triathlon noch nicht erlebt habe: ein Beklemmungsgefühl als ob ich keine Luft mehr bekommen würde. Fast panisch schwamm ich von der Mitte des Kanals an das nahe Ufer und versuchte den Reissverschluss meines Triathlon-Tops unter dem Neoprenanzug zu öffnen. Mit Wehmut schaute ich nach meinem relativ guten Start den anderen hinterher. Ich bin mir nicht sicher wie lange ich da stand: 30 Sekunden, vielleicht auch ein wenig mehr. Nachdem sich meine Aufregung gelegt hatte, versuchte ich den anderen hinterher zu schwimmen und in meinen Rhythmus zu kommen. So richtig gelingen wollte mir das nicht und auch die Kraft für einen kraftvollen Zug fehlte – Ursache war sicher die fehlende Ernährung. Ich versuchte das Beste daraus zu machen, solche Probleme waren ja schon vor dem Start abzusehen. Selten hatte ich solche Schwierigkeiten während des Schwimmens wie dieses Mal, gegen Ende hatte ich kaum noch Kraft und wirklich Schwierigkeiten noch einen halbwegs ordentlichen Zug hinzubekommen. Ob mich schon einer der Vereinskameraden aus den folgenden Gruppen überholt hatte? Mit einer Schwimmzeit von 1:06:40 hatte ich meine Zielzeit von unter 1 Stunde zwar weit verfehlt, konnte aber in Anbetracht der Umstände zufrieden sein. Für die zweite Disziplin befürchtete ich trotzdem wenig Gutes.

Die ersten Kilometer auf dem Rad versuchte ich die Ruhe zu bewahren und nicht zu schnell anzugehen. Er rollte überraschenderweise relativ gut. Sogar am ersten 10%-Anstieg, an dem ich letztes Jahr ziemlich ernüchtert meine Radschwäche feststellen musste, kam ich recht gut hinauf. Dann kamen der erste flachere Teil, mit einem Tempo knapp über 32 km/h versuchte ich es rollen zu lassen ohne dabei zu übertreiben. Leider hatte ich wieder einen sehr grossen Druck auf der Blase, der letztendlich nach 32 Kilometern zu einer ersten kurzen Zwangspause führte. Den längsten und steilsten Anstieg der Runde - den Kalvarienberg - kam ich im Anschluss dann recht ordentlich hoch. Der folgende Abschnitt ist für seine Winde bekannt, doch die waren in der ersten Runde noch nicht zu spüren und sollten erst in der zweiten Runde kommen. Nach 59,8 Kilometern merkte ich dann wie sich unter meinem Sattel etwas verschoben hatte, Ich versuchte das Problem zu ertasten: der Schlauchreifen hatte sich gelöst und baumelte jetzt mit der Satteltasche auf einer Seite. Also ein zweiter Zwangsstopp. Leider brauchte ich fast zwei Minuten bis ich den Riemen gelockert und das Problem beseitigt hatte, der Reifen verschwand in meiner Tasche. Zum Glück kam in Folge dann bald der Solarer Berg. Der Frust war augenblicklich vergessen – die Stimmung war riesig. Wie auf Flügeln flog ich den Hügel hinauf und konnte sogar einige überholen, denen der Abschnitt sichtlich mehr Probleme bereitete. Doch dann zu Beginn der zweiten Runde das nächste Missgeschick: bei einer leichten Bodenwelle löste sich der Schwamm aus meiner Lenkerflasche, so was darf normalerweise nicht passieren und so etwas ist mir auch noch nicht vorher passiert. Ich war genervt aufgrund all dieses Pechs, doch noch versuchte ich ruhig zu bleiben und überlegte wie ich die Flasche abdecken und weiter nutzen konnte. Kurzerhand klebte ich einen Energieriegel über das Loch. Der hielt auch einige Kilometer bis er bei einer weiteren Unebenheit kurzerhand in der Flasche landete. Dann musste ich eben so weiterfahren. Von nun an bekamen mein Rad, meine Radbrille und ich mit jeder weiteren Bodenwelle eine Ladung klebriges Isogetränk ab. Zudem schmeckte das Zeug mit dem Riegel ziemlich gewöhnungsbedürftig, hatte eine körnige Konsistenz und war schwer durch das Röhrchen zu saugen. Am Seligenstädter Berg ging dann nichts mehr, ich war fertig mit den Nerven und einem Zusammenbruch sehr, sehr nahe – ich hätte in diesem Moment heulen können und fuhr den Buckel nur noch langsam hoch. Selbst die Hände der Kinder konnte ich nicht mehr wie sonst üblich abklatschen, war einfach nur noch mit mir selbst beschäftigt. Rückblickend betrachtet vermute ich, dass ich hier auch die ersten Symptome eines Hungerast hatte. Auf den nächsten recht flachen Kilometern konnte ich mich mit einem relativ konstanten aber guten Tempo meine Nerven wieder etwas beruhigen, neuen Mut fassen und versuchte mir mit Gels wieder Energie zuzuführen. Nach dem Kalvarienberg wollte ich es wissen – wenn heute noch etwas „gehen“ sollte, dann musste ich langsam loslegen. Und siehe da, offensichtlich hatte ich noch mehr Reserven als viele andere, die mich in den Stunden zuvor überholt hatten, denn nun zog ich wieder an ihnen vorbei. Das Problem mit der Lenkerflasche löste ich so, dass ich sie leer liess und zukünftig nur noch aus den Flaschen an den Verpflegungsstellen trank. Bis zur zweiten Wechselzone hatte ich so nun zumindest wieder einige Plätze gutgemacht, die ich vorher verloren hatte. Es beruhigte mich kurz vor der 2.Wechselzone einen anderen Triathleten wieder zu sehen, der mit mir schon gemeinsam aus der 1.Wechselzone kam. So ganz schlecht, konnte ich also nicht gewesen sein. Auch ein Blick auf meine Uhr zeigte beim zweiten Wechsel mit 5:39 Stunden im Vergleich zum Vorjahr eine deutlich bessere Zeit.

Nun blieb nur noch der Marathon. Zu Beginn lief ich trotz des Koppeltrainings in der Vorbereitung relativ steif los; nicht sonderlich ungewöhnlich nach 180 Kilometern auf dem Rad. Das erste Viertel des Marathons lief ich trotzdem mit einem Schnitt von 5:20 Min/ Kilometer relativ zügig und war voll in meinem Soll. Auf dem Weg zum Kanal kam mir der Sieger auf dem Ende seines Marathons entgegen. Unten am Kanal traf ich dann auch auf die deutsche Damenspitze kurz vor deren Halbmarathonmarke. Ansonsten war am Kanal noch wenig los. Ich spulte meine Kilometer so runter, fühlte mich recht gut und versuchte auch immer ausreichend zu trinken. Erst in Schwanstetten als es leicht bergauf ging und mir die Temperaturen etwas zu schaffen machten, wurde ich langsamer. Ausserdem bekam ich erste Magenkrämpfe. Erst zurück am Kanal kam ich langsam wieder in meinen Rhythmus. Der Schnitt zum Halbmarathon war mit 5:45 Min/km etwas unter meinem Plan aber durch den Puffer, den ich mir herausgearbeitet hatte, war ich noch im Soll. Die Vorstellung jetzt aber nochmal einen Halbmarathon laufen zu müssen, flösste mir Respekt ein. Ich kannte die Strecke ja und wusste, dass es nochmals vor und hinter Eckersmühlen ein Stückchen leicht hoch ging. Ausserdem krampfte sich mein Magen immer häufiger zusammen. Ich war versucht stehen zu bleiben, doch mein Wille noch einen halbwegs guten Marathon zu laufen trieb mich weiter. Wie befürchtet kam aber um Kilometer 30 herum dann mein Tiefpunkt mit einem Schnitt um 6:30 min/km. Ich versuchte so viel wie möglich zu trinken. Vermutlich hätte ich auch etwas essen sollen, aber beim Blick auf die reichhaltige Essensauswahl der Verpflegungsstellen sträubte sich etwas in mir, mein Magen wollte nicht, gelegentlich hatte ich dort immer noch leichte Krämpfe. Erst ab Kilometer 36 lief ich dann einen Schnitt unter 6 Minuten. Immer häufiger begann ich zu rechnen, ob ich die 11-Stunden-Marke bei der Gesamtzeit noch erreichen konnte. Am Kanal traf ich Sarah wieder, die uns während des ganzen Wettkampfs tatkräftig unterstützt hatte und vor allem während des Radfahrens selbst von Ort zu Ort gefahren war, um uns anzufeuern. Ihrem Blick nach schien ich nicht ganz so elend auszusehen wie ich mich fühlte – ein kurzes Abklatschen, eine kurze Aufmunterung und ich wusste, es waren nicht mehr viele Kilometer – jetzt lief es wieder. Nochmals ein banger Blick auf die Uhr: noch 30 Minuten bis zur 11-Stunden-Marke und noch 5 Kilometer zu laufen. Das klang locker machbar, aber mit diesem Schnitt? Ich rechnete 1 mal, 2 mal – unter 6 Minuten pro Kilometer musste ich bleiben, dann würde ich es schaffen, es kam vor Roth aber nochmals eine kleine Steigung für die ich Puffer brauchte. Es fiel mir zwar schwer, aber noch einmal beschleunigte ich, mein Schritt wurde länger und der Stil wieder etwas sauberer. Ein letztes Aufbäumen. Mit jedem Kilometer wurde ich flotter. Dann der Anstieg vor Roth – die letzten Kilometer. Die Schritte hinauf waren schwer, von meiner Umgebung nahm ich nicht mehr viel wahr. Ob ich zeitlich noch „drin“ war? Von oben sah mich die Freundin meines Vereinskameraden Henrik, stürmte den Hügel herunter und gleich im Anschluss mit mir lautstark anfeuernd wieder hinauf – mit so einer tollen Unterstützung musste das heute einfach klappen! Ich zog den Reissverschluss meines Triathlontops für das Zielphoto nach oben. Die letzten drei Kurven dann kam der lange Zielkanal zum extra aufgebauten Triathlon-Stadion. Noch einmal versuchte ich letzte Kräfte zu mobilisieren, aber der unwiderstehliche Zielsprint war nicht mehr möglich, trotzdem glaubte ich es geschafft zu haben. Erst im Ziel der ängstliche Blick auf die Uhr .. Ernüchterung .. Enttäuschung .. ich hatte die Zielzeit knapp verfehlt: 11:00:34 Stunden. Das konnte einfach nicht wahr sein! War ich nicht schon genug gestraft? Ich suchte Gründe, verstand die Welt nicht mehr – das war einfach nicht fair. Eine Helferin kam zu mir und fragte freundlich, ob ich sanitäre Hilfe bräuchte, sie mich stützen und in das Zelt bringen solle; ich sah vermutlich furchtbar aus. Ich wollte aber nur noch alleine sein, bedankte mich und schwankte mit unsicherem Schritt alleine weiter. Noch heute hadere ich mit der Zeit und suche nach einer Erklärung, die ich aber nie finden werde.

Hier noch ein paar Zahlen.

Platzierungen:
  • 833. gesamt von 2020 Finishern,
  • 214. bei der deutschen Meisterschaft
  • 48. in meiner Altersklasse bei der DM
Einzelplatzierungen:
  • 582. Schwimmen
  • 1056. Rad
  • 856. Laufen
Errechnetes Tempo bei den einzelnen Disziplinen:
  • 3,42 km/h Schwimmen
  • 31,81 km/h Radfahren
  • 10,2 km/h Laufen
Durchschnittliche Herzfrequenz: 139 Schläge pro Minute
Laut meiner Uhr habe ich 8330 kCal verbrannt

Das Ergebnis ist natürlich recht erfreulich und gerade in Hinblick auf die besonderen Umstände fast sensationell. Trotzdem wäre wesentlich mehr möglich gewesen. Zu gerne hätte ich einmal eine Zeit gemacht, die meinen wahren Möglichkeiten entsprochen hätte, doch es sollte nicht sein. Rückblickend war es trotz allem ein toller Wettkampf: sehr gut organisiert, sehr freundliche Helfer, eine tolle Stimmung und auch das Wetter spielte mit. Für mich hatte der Wettkampf vor allem gegen Ende hin eine Spannung sondergleichen, doch auch für die Zuschauer muss besonders die Frauenkonkurrenz recht spannend gewesen sein.
Der Quelle-Challenge 2007 in Roth hat wieder mal gezeigt, dass er ein ganz besonderer Triathlon ist. Danke an alle, die zum Gelingen dieser tollen Triathlonveranstaltung beigetragen haben! Danke an alle mit denen ich dort war und einen tollen Tag hatte! Danke auch an Euch, die Ihr alle diesen Bericht und vielleicht noch andere Artikel in diesem Blog gelesen habt!

18. Mai 2007

Material für die erste Disziplin

Für die erste Disziplin beim Triathlon gibt es wenig Materialien, die ein Athlet verwenden kann.

Die Badekappe wird in der Regel vom Veranstalter zum Wettkampf ausgegeben. Die Benutzung der ausgegebenen Badekappen ist meist Pflicht, stehen doch oft Sponsoren darauf und wird mit der Farbe auch eine gewissen Gruppenzugehörigkeit ausgewiesen. Insofern lohnt die Anschaffung für einen Wettkampf kaum. Ich habe einmal eine Badekappe mit dem Namenszug des Vereins bekommen, diese durfte ich bis heute nicht verwenden. Unterschiede gibt es hinsichtlich Grösse und verwendetem Material; bei Wettkämpfen waren sie bei mir bisher immer aus Latex. Vorteil von Latex ist, dass die Badekappe quasi auf jeden Kopf passt.

Bei der Schwimmbrille scheiden sich die Geister. Viele unterschiedliche Hersteller und Modelle sind hier auf dem Markt, klare Marktströmungen lassen sich kaum ausmachen. Während ein Teil der Athleten auf die spartanische Schwedenbrille schwört, gehen andere mit Taucherbrillen ähnlichen Modellen an den Start. Dann stellt sich noch die Frage, welche Gläser die Brille haben sollte. Für Brillenträger gibt es in vielen Dioptrienstärken vorgefertigte Schwimmbrillen. Die Gläser gibt es in unterschiedlichen Farben. Manche Brillen haben am Rand eine Silikonbeschichtung für einen besseren Sitz. Ich selbst verwende je nach Wettkampf von einem einfacheren Modell mit einer Silikonbeschichtung zwei unterschiedliche Brillen. In Hallenbädern schwimme ich mit klaren oder blauen Scheiben, während ich draussen eher eine dunkle Brille verwende, damit mich die Sonne nicht so stark blendet.

Dann gibt es noch das Thema Kleidung. Manch einer startet nur in einer Badehose. Ich ziehe in der Regel gleich die Triathlonbekleidung an. Diese trocknet schnell und kann für die folgenden Disziplinen gleich angelassen werden. Darüber werde ich vermutlich nochmal separat referieren.

Kommen wir also nun zum wichtigsten Utensil: dem Kälteschutz- oder Neoprenanzug. Geliebt und gehasst zugleich. Gehasst, weil er recht eng sitzt und man häufiger mal Schwierigkeiten beim An- und Ausziehen haben kann. Beim Kauf eines Anzugs kann man viel falsch machen. Mein erster Anzug war bspw. zu unflexibel, ich konnte mich nicht richtig bewegen, in Folge ermüdete die Arm- und Schultermuskulatur recht schnell. Der Hals war vorne recht hoch, was mich beim Atmen störte und hinten rieb ich mir mit dem Klettverschluss regelmässig nach kurzem Tragen den Hals auf. Ein Anzug bietet aber natürlich auch Vorteile. Wie der Name schon sagt, ist der Anzug zuallererst mal ein Schutz gegen die Kälte. Gerade bei den Triathlons früh oder spät in der Saison kann das Wasser schon mal empfindlich kalt sein, dann will man nicht wirklich ohne eine Kälteschutz hinein. Der Anzug trägt aber vor allem einem ganz anderen Umstand Rechnung, weswegen ihn die Meisten gerne verwenden. Das Schwimmen hat nämlich einen ganz entscheidenden Unterschied zu den beiden folgenden Disziplinen: während die späteren Disziplinen vor allem eine gute Ausdauer und mentale Stärke verlangen, so ist beim Schwimmen mehr eine gute Schwimmtechnik und Wasserlage gefragt - Ausdauer spielt hier eher eine untergeordnete Rolle. An der Schwimmtechnik lässt sich wenig ändern, aber gerade die Wasserlage wird durch das Tragen eines Neoprenanzugs verbessert. Der "Neo" führt zu mehr Auftrieb und verhilft so zu einer höheren Wasserlage, was theoretisch zu einem geringeren Wasserwiderstand führt. Man geht davon aus, dass man - wenn alles passt - der Geschwindigkeitszuwachs mit einem Neoprenanzug zwischen 6 und 15 % betragen kann. Insofern unterstützt der Anzug durch seinen Auftrieb vor allem schlechtere Schwimmer, die sonst eher eine schlechtere Wasserlage haben.
Ich selbst schwimme mit dem Xterra Vector Pro 2. Der Anzug ist aus 1,5 bis 5mm starkem Neopren. Laut Werbung hat das Material des Anzugs einen niedrigeren Reibungskoeffizienten, weshalb es den Schwimmer auch mit weniger Widerstand durchs Wasser gleiten lässt. Ausserdem ist der Anzug sehr flexibel, weshalb ich beim schwimmen weniger Kraft aufwenden muss und meine Arme nicht so schnell müde werden wie bei meinem ersten Anzug.
Problem bzgl. der Verwendung eines Neoprenanzugs beim Triathlon ist leider noch, dass das Regelwerk zur Benutzung auf den ersten Blick recht unübersichtlich ist. Die Verwendung im Wettkampf kann abhängig von Altersklasse, Wassertemperatur und Außentemperatur erlaubt oder auch verboten werden. Deshalb kommen neuerdings so genannte Schwimmanzüge im Mode. Diese sind dann meist aus einem recht gleitfähigen Material, bieten aber in der Regel nicht den Auftrieb eines Neoprenanzugs. Ich selbst besitze bisher noch keinen Schwimmanzug, deshalb kann ich im Detail dazu noch nichts sagen.

2. Mai 2007

Die neue Saison naht

Nach der ruhigeren Phase im Anschluss an das Trainingslager und an die Flandernrundfahrt habe ich Intensität und Quantität des Trainings wieder erhöht. Ich fühle mich wieder ausgeruht und bin bereit zu neuen Taten; die Trainingsergebnisse sind recht vielversprechend. Die Trainingsmethoden sind nun spezifischer auf bestimmte Anforderungen ausgerichtet. Habe ich in den vergangenen Monaten mehr darauf geachtet die Grundlagenausdauer zu erlangen, dient das Training nun mehr dazu an den Feinheiten zu arbeiten. Für die Einzeldisziplinen heisst das im Moment:

  • Schwimmen – hier trainiere ich nun verstärkt längere Einheiten mit 800 bis 100 Meter am Stück. Beim Mannschaftstraining üben wir Eigenheiten das Triathlonschwimmes wie bspw. um Bojen herum -, im Wasserschatten - oder auch über andere Schwimmer hinweg zu schwimmen.
  • Radfahren: neben den schonmal erwähnten Tempoausdauereinheiten, bin ich in den letzten Tagen auch verstärkt am Berg gefahren und habe die Kraftausdauer trainiert. Dabei fährt man mit einer niedrigeren Trittfrequenz (50-70 U/min) und einer erhöhten Herzfrequenz (80 bzw. 90% vom Max.) eine bestimmte Zeit und mit ggf. bestimmten Wiederholungen einen Berg oder Hügel hinauf. Ausserdem trete ich nach Kurven nun kurz verstärkt an, um schnell wieder auf Geschwindigkeit zu kommen – auch dies hilft mir meine radfahrspezifische Muskulatur für die Belastungen im Wettkampf zu schulen (Kraft, Schnelligkeit und muskuläre Mobilisationsfähigkeit).
  • Laufen: bei der letzten Disziplin habe ich an spezifischem Training in letzter Zeit - wie beim Radfahren auch - die Tempoausdauer trainiert. Die Intervalle auf der Bahn sind auch etwas länger geworden (zwischen 1000 und 3000m).

In der letzten Woche bin ich mit dem Training auf etwas über 15 Wochenstunden gekommen. In dieser Woche werde ich das Training nun wieder leicht herunterfahren, um mich von den letzten langen Einheiten ausreichend zu erholen. Ausserdem steht ein weiteres Novum in meiner sportlichen Laufbahn an, für das ich auch erholt sein muss: dieses Jahr sind erstmals Starts in der Triathlonliga für den Verein geplant. Die Distanzen sind kürzer als bei einer Langdistanz und es sind auch nicht immer reine Triathlons. Die Anforderungen sind also leicht unterschiedlich zu meinem Hauptwettkampf. Trotzdem kann ich sie als Aufbauwettkämpfe nutzen, kann ich doch bspw. sehr gut unter Wettkampfbedingungen die Wechsel trainieren und mein Material testen. Zudem bringen sie Abwechslung in den üblichen Trainingsalltag und stellen mal eine neue Herausforderung dar. Als erster Wettkampf steht am Wochenende ein Duathlon auf dem Programm - mein allererster überhaupt. Duathlon heisst Laufen - Radfahren - Laufen (in diesem Fall 8km - 45km - 4km). Die Kameraden haben mir schon bange gemacht - besonders der Wechsel zum zweiten Lauf soll muskulär sehr schwierig sein. Mein Ziel ist natürlich ein für den Verein möglichst gutes Resultat zu erzielen. Letztendlich gilt es aber erstmal sich auf dem neuen Terrain zurechtzufinden und anzukommen. Und welche Zielsetzungen hat unsere 2. Mannschaft für die Liga? Nun viele unserer Starter sind zum ersten Mal in der Liga am Start. Jeder wird sein Bestes geben, aber der Spass am Sport steht im Vordergrund. Am Ende der Saison werden wir schätzungsweise einen Platz im Mittelfeld inne haben. Warten wir es ab. Nähere Informationen zur Triathlonliga gibt es auf der Internetseite des Verbands.

18. April 2007

Zwischenfazit nach der 1. Vorbereitungsphase

Mit dem Trainingslager habe ich die erste Vorbereitungsperiode abgeschlossen. Das oberste Ziel dieser Vorbereitungsphase ist es für die weiteren Phasen die richtigen Grundlagen zu schaffen, wobei sich die Grundlage nicht ausschliesslich auf die Ausdauer bezieht. Im Winter arbeitet man beispielsweise beim Schwimmen primär an der Technik, d.h. die Umfänge sind nicht so gross, das Tempo ist auch nicht so schnell. Dafür achtet man aber sehr auf eine gute Wasserlage und saubere Bewegungsabläufe. Das Radtraining ist je nach Athlet unterschiedlich. Ich kenne Leute, die setzen sich unter 10°C auf kein Fahrrad, andere fahren gerne Mountainbike und wieder andere steigen schon im November wieder in das Rennradtraining ein und lassen sich weder von tiefen Minusgraden noch von Schnee oder Eis stoppen. Allen gemein ist, dass sie im Winter zumindest keine allzu intensiven Radeinheiten trainieren, dies würde bei der kalten Luft den Körper eher schwächen. Mein Radtraining sah diesmal so aus, dass ich dieses Jahr dank des milden Winters doch schon einige Male auf dem Rennrad sass und ein lockeres Grundlagentraining absolviert habe. Ergänzt wurde das durch einige Einheiten auf dem Spinningrad im Studio. Ziel beim Spinning ist weniger der Aufbau von Kondition als viel mehr die Schulung des runden Tritts, zur optimalen Kraftübertragung auf das Pedal. Etwas zu kurz kam in diesem Winter sicher das Mountainbike, mit dem ich in den vergangen Wintern doch häufiger mal unterwegs gewesen bin. Auch das Lauftraining war in diesem Winter im Vergleich zu den Vorjahren etwas ungewöhnlich. In der Regel baue ich in dieser Zeit mit dem Laufen den Grossteil meiner Grundlagenausdauer auf. Das heisst viele lange Läufe in ruhigem Dauerlauftempo. Dieses Jahr begannen wir anstatt dessen im Verein recht früh mit dem Lauftraining auf der Bahn. Ob mir das etwas gebracht hat, kann ich schwer sagen, denn vor allem im März musste das zeitintensivere Lauftraining leider häufiger wegen kleinerer Erkältungen und fehlender Freizeit ausfallen. Ergänzt habe ich das Training für die 3 Triathlondisziplinen durch das Krafttraining im Studio mit Schwerpunkt auf Bein- und Rumpfmuskulatur.

So kamen 2007 bis zu meinem Trainingslager Ende März die folgenden Trainingseinheiten zusammen (in Klammern Vergleichswerte aus meiner Vorbereitungsphase in 2004):

Schwimmen

  • Trainingseinheiten: 24 (31)
  • Gesamtschwimmstrecke: 64.300 Meter (87.300)

Radfahren

  • Trainingseinheiten: 14 – incl. Spinning (12)
  • Gesamtradstrecke: 590 Kilometer – ohne Spinning (518)
Laufen
  • Trainingseinheiten: 28 (37)
  • Gesamtlaufstrecke: 432 Kilometer (553)

Kraft- und Gymnastiktraining

  • Trainingseinheiten: 11 (23)

Durchschnittliche Trainingszeit pro Woche: 9 Stunden 18 Minuten (9:39)

Wenn man die Werte 2007 mit den Vergleichswerten von 2004 vergleicht, fällt auf, dass die Anzahl an Trainingseinheiten meist geringer ist. Ich sehe zwei Hauptgründe: 1. im Jahr 2004 stand mir mehr Trainingszeit zur Verfügung. In Folge von Arbeit, einer anderen privaten Zeiteinteilung und auch Krankheit konnte ich 2007 nicht mehr so viel trainieren. 2. Heutzutage habe ich etwas mehr Erfahrung, gerade was Trainingsmethodik und -aufbau angeht und kann somit mit mehr Qualität als Quantität im Training ähnliche Ergebnisse erzielen.

Soweit der Rückblick. Wie ist aber nun mein aktueller Trainingsstand einzuschätzen? Zur Bewertung dessen, stehe mir ein paar Tests im Training zur Verfügung, letztendlich ist aber auch viel Bauchgefühl dabei – zentrale Frage ist: bin ich da, wo ich sein möchte?

Schwimmen:

Bei der ersten Disziplin sind die ersten Tests recht gut verlaufen. Die Ergebnisse sind eindeutig besser als 2004. Von meinem subjektiven Eindruck her habe ich auch schon einen recht guten Stand. Hier gilt es bei den nächsten Einheiten auch mal längere Strecken und das Schwimmen mit Neoprenanzug zu trainieren.

Radfahren:

Auf dem Rad gibt es Licht und Schatten. Tests oder Vergleichswerte habe ich hier nicht direkt und muss mich auf meine Erfahrungswerte aus den Vorjahren verlassen. Beim Rollen in der Ebene (Zeitfahren) habe ich gefühlsmässig schon einen sehr guten Stand, den ich hoffentlich bis Roth beibehalten oder noch ausbauen kann. Schwächer bin ich am Berg geworden. Habe ich früher zur Kategorie „Bergfloh“ gehört und bin bei jeder Steigung abgegangen, so habe ich heutzutage meist eher Schwierigkeiten. Ich schätze, das kommt daher, dass ich mich dieses Jahr primär auf die Disziplin Zeitfahren vorbereitet habe und meine Muskeln sich dementsprechend auch angepasst haben. Beim weiteren Training wird nun an den Feinheiten gearbeitet. Das heisst verstärkt Kraftausdauertraining am Berg und noch mehr Schnelligkeitsausdauertraining – insbesondere auf dem Zeitfahrrad.

Laufen:

Die Tests bei der letzten Disziplin sind alles andere als berauschend, auch gefühlsmässig habe ich wie oben schon angedeutet einen Rückstand, der mir noch etwas Bedenken macht. Zu aller erst werde ich deshalb versuchen beim Laufen wieder in einen normalen Trainingsrhythmus zu kommen und meinen Rückstand über regelmässiges Laufen aufzuholen. Aber auch in dieser Disziplin wird nun verstärkt am Feinschliff gearbeitet. Auf der Bahn werde ich verstärkt an der Schnelligkeit zu arbeiten. In die längeren Läufe werde ich ein paar kurzzeitige Temposteigerungen einbauen. Und nicht zuletzt werde ich auch endlich mal wieder längere Strecken laufen – die kamen leider beim bisherigen Training viel zu kurz; über die Halbmarathondistanz kam ich kaum raus.

17. Januar 2007

Swim like a fish

Gestern war ich mal wieder schwimmen. Gemeinhin wird dem Triathleten ja nachgesagt, dass er nicht mehr kann als stur geradeaus durchs Wasser zu kraulen. Nicht so zur Zeit. Unsere Trainerin macht mit uns seit Herbst viel Techniktraining. Wann denn auch sonst: sie weiss ganz genau, dass wir im Sommer tatsächlich alle viel Kraulen wollen und uns nicht auf irgendwelches Rumgeplantsche .. Skulling genannt .. einlassen würden. Ob schnell oder langsam - die letzten Wochen hatte ich immer das Gefühl mit dem Wasser kämpfen zu müssen. Ständig strengt man sich an und es kommt einem vor, als ob man kaum von der Stelle käme. Und wenn einem die Vereinskameraden dann noch erzählen, man wäre früher schneller gewesen, verstärkt das nur noch den Kampf - schneller wird man trotzdem nicht. Gestern dann wieder das übliche Prozedere: erst einschwimmen - danach ein bisschen Tempotraining und schliesslich wieder Schwimmtechnik: Skulling, Delphintechnik und noch ein paar andere Übungen, Am Ende jedes Technikabschnitts stand dann ein kurzer 25 Meter Sprint. Irgendwann beim letzten Sprint das plötzlich ein vertrautes aber nicht mehr lange dagewesenes Gefühl: ich kam mir vor wie ein Fisch, der durch das Wasser schoss. Kein Kampf mehr. Jetzt funktionierten auch wieder die Rollwenden. Das Wassergefühl war wieder da. Bei den nächsten Bahnen war ich auch eindeutig schneller und konnte ohne Anstrengung an den anderen dranbleiben. Jetzt hoffe ich nur, dass das keine Eintagsfliege war und sich die ansteigende Schwimmform fortsetzt.

In der Schwimmliteratur gibt es von Terry Laughlin das Buch „Total Immersion“, in dem der Autor sehr gut beschreibt wie man zu diesem Wassergefühl kommt. Schon nach wenigen Kapiteln wird einem das Prinzip klar und man kann daran gehen die Phrase „Swim like a fish“ in der Realität umzusetzen. Wer mehr zu dem Thema erfahren möchte, könnte mal unter http://www.totalimmersion.net reinschauen. In der Zwischenzeit werden in Deutschland auch mehrere Seminare angeboten. Ich für meinen Teil würde allerdings zu allererst zu der Lektüre des Buches raten, dann kann man sich die teuren Schwimmseminare vielleicht sparen.