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27. August 2014

Eiskalt erwischt

Vor einigen Jahren war ich schon mal kurz in Kopenhagen und Dänemark, dieses Jahr hatte ich beim Ironman Kopenhagen die Möglichkeit Land und Leute endlich besser kennenzulernen. Schon am ersten Tagen ist mir die entspanntere Atmosphäre im Lande aufgefallen: alles läuft weniger hektisch und aggressiv ab, die Menschen sind freundlich, hilfsbereit, sie lächeln und lachen mehr. Schon auf der Autobahn geht es entspannter zu, was nicht ausschliesslich an der zugelassenen Höchstgeschwindigkeit liegen muss. Auch in der Stadt ist der Umgang miteinander viel entspannter. Eine Atmosphäre, in der sich leben lässt und die sich zum Teil auch auf die Athleten übertrug – vieles ging trotz der hohen Teilnehmerzahl von über 3000 Athleten schon im Vorfeld viel entspannter zu. Alles war so organisiert, dass es meist kein grosses Gedränge und keine langen Schlangen gab. Die 3 Wettkampfstrecken waren aus Athletensicht ähnlich gut gewählt, so dass sich der Stress für die am Wettkampf Unbeteiligten hoffentlich auch weitgehend in Grenzen hielt. 

Einchecken am Schwimmstart
Zu meinem eigenen Rennen .. ein Rennen, das ich lieber schnell vergessen will. Es war meine inzwischen 15. Langdistanz und leider mit Abstand meine schlechteste. Eine Erklärung habe ich noch nicht. Manch einer in meinem Umfeld vermutet eine gewisse Erschöpfung nach den Vorbelastungen, die ich hatte, doch das erklärt mir nicht den drastischen Leistungsabfall zu allen vorherigen Rennen, den ich vom Start an erlebt habe. Nach dem Landstart ins ca. 15°C kalte Eiswasser zeigte mein Körper nach wenigen Metern eine Art Schockreaktion wie ich sie noch nicht erlebt habe, die über die normale Panik im Anfangsgewühl weit hinausging. 2x musste ich mich deshalb im flacheren Bereich in Ufernähe sammeln, überlegte auszusteigen und verkündete das sogar einem der begleitenden Kajakfahrer. Als ich mich beruhigt hatte, setzte ich das Rennen dann doch in gemässigtem Tempo fort. Endlich auf dem Rad besserte sich mein Zustand kaum und ich konnte leider zu keiner Zeit meine normale Leistung abrufen. Ich konnte mich gedanklich damit abfinden, dass es heute um nichts anderes als das Finishen gehen konnte – nie zuvor habe ich bei einem Rennen so oft an das Aussteigen denken müssen. Das Einzige, was mich aufmunterte, war zu sehen, dass andere nicht viel schneller waren und ich noch eine reelle Chance hatte, das Rennen zu beenden – zumindest wollte ich nochmal die Laufstrecke kennenlernen. Beim Marathon setzte sich das grausame Spiel fort und der 3-Stunden-Marathoni mutierte hier zu einem knapp 6-Std-Power-Walker. Die Unterstützung der Menschen war, egal ob es regnete oder die Sonne schien, immer wieder toll. Und gerade als es nach hinten heraus auf der Strecke leerer wurde, harrten einige immer noch einige Hartgesottene aus, feuerten uns unermüdlich an und leisteten dabei ihren eigenen harten Ironman. Einige waren so beharrlich, dass ich geschunden wie ich war trotzdem gar nicht anders konnte, als mal wieder einige Meter zu laufen. Letztendlich habe ich mein Rennen ins Ziel gebracht, mir Finishermedaille und –hemd abgeholt.

Die Organisation des Wettkampfs war sehr gut. Beim Schwimmen fand ich die Streckenangaben an den Brücken klasse, Wellengang war kein Problem. Die Radstrecke war toll: erst die wunderschöne Küstenstrasse gen Norden und dann über das sehr ländliche Hinterland zurück; hier hätte ich mir nur manchmal eine komplette Strassensperrung gewünscht, da es auf der einen Strassenseite mit dem oft schlechten, rechten Strassenrand und den vielen Radfahrern doch arg eng wurde. Mitunter war es recht windig und kalt, aber nichts anderes hatte ich in Skandinavien erwartet - mir war das sogar gar nicht so unrecht. Die Laufstrecke führte an zahlreichen Sehenswürdigkeiten Kopenhagens vorbei und wer bis dahin die Stadt noch nicht gesehen hatte, der bekam spätestens jetzt die Hauptstadt gezeigt. Nachdem wir auf unseren Runden ganze 8 Mal daran vorbeikamen, hätte ich mir allerdings gewünscht, dass mir die Eis- und Waffelbäcker in Nyhavn mal zur Abwechslung ein leckeres Eis in frischgebackenen Waffel aus dem Laden bringen und ich nicht nur auf die Wettkampfverpflegung angewiesen wäre. Spass beiseite: auch an dieser Strecke gab es aus meiner Sicht nichts auszusetzen.

Fazit: eine top Veranstaltung, etwas familiärer und entspannter als woanders in Mitteleuropa, Langdistanz Nr. 15 bzw. "Ironman" Nr. 9 gefinisht, eine tolle Stadt und ein schöner Urlaub – danke Dänemark!!!

17. Oktober 2013

Vom Mont Blanc zum Matterhorn

Inzwischen hat der jährliche Mountainbike-Alpencross schon Tradition. Nachdem uns die Routen in den Ostalpen inzwischen schon wohlbekannt sind, ging es dieses Jahr erstmals in die Westalpen. Genaugenommen war es diesmal allerdings weniger ein „Alpencross“ als vielmehr eine „-querung“. Passend zu meinem grossen Ziel dem UTMB startete die Tour in Les Houches am Mont Blanc, führte um den Berg herum und zweigte dann im Aosta-Tal gen Osten zum Matterhorn ab. So hatte ich die Möglichkeit einige der Wege, die ich einen Monat später laufen sollte, schon mal mit dem Bike zu erkunden. Natürlich hatte ich wieder meine 2 Kameras dabei, um ein paar Momente dieser MTB-Tour um Mont Blanc und Matterhorn festzuhalten. Leider sind besonders die Abfahrten etwas verwackelt, doch ein schöner Rückblick für die Erinnerung ist es allemal.


Mont Blanc - Matterhorn von ironschoch

24. Mai 2013

Ironman auf der Insel der Feuerberge

Es ist Samstag der 18. Mai 2013. Ich stehe mit 1900 anderen Athleten und zahlreichen Zuschauern, Presse und Wettkampfhelfern am Playa Grande in Puerto del Carmen auf Lanzarote und warte auf das Startsignal des Ironman Lanzarote mit der vermeintlich härtesten Strecke der Welt. Ein Rennen, das in der Vita eines „Ironman“ eigentlich nicht fehlen sollte. Vor einigen Minuten hat es angefangen zu regnen. Eigentlich hatten hier einige zumindest einen Ironman mit Schönwettergarantie erwartet – dem war heute nicht so. Ich habe das Rennen schon einmal geschafft. Damals war ich zwar von dem Wettkampf – bei weitgehend schönem Kanarenwetter übrigens – und der Insel sehr begeistert, nur mit meiner eigenen Leistung war ich unglücklich – zu viel war damals schief gelaufen. So lag es nahe irgendwann mal wieder zurück zu kehren und es nochmal zu versuchen. Dieses Jahr passte endlich wieder alles. Die Vorzeichen waren dieses Mal allerdings etwas anders: damals hatte ich mich konsequent und längerfristig mit Trainingslager, Trainingsplan und Testwettkämpfen auf das Rennen vorbereitet, hatte grosse Ziele, dieses Jahr war die spezifische Vorbereitung auf dieses Rennen eher kurzfristiger und unkonventionell. Mein Ziel war trotzdem zumindest eine Verbesserung des alten Ergebnisses zu erzielen. In Gedanken ging ich nun hier am Start zum wiederholten Male das Rennen von damals und die Teilstrecken mit ihren Spezifika durch. Der Regen tangierte mich nicht und von dem Drumherum bekam ich wenig mit. 

Vorbereitungen an der Schwimmstrecke
Dann das Startsignal. Augenblicklich schob sich der lange schwarze Athletenwurm vom feinen Sandstrand in das Meer. Vor mir fing das Wasser an zu brodeln. Die Zuschauer, die um 5 Uhr aus den Pubs und Diskotheken an der Playa kamen, hatten uns sowieso schon mit grossen Augen beobachtet, als wir unsere Räder präparierten und uns im Anschluss in diese schwarze Gummiwulst zwängten. Doch spätestens bei dem Anblick eines Ironman-Massenstarts hier draussen im kühlen Atlantik war vermutlich jedes Verständnis dahin. Meine Strategie für die erste Disziplin war es mich zu Beginn aus dem übelsten Getümmel rauszuhalten, möglichst ruhig weiter nach vorne kommen und erst, wenn die Positionskämpfe weniger wurden, richtig auf's Tempo zu drücken. Eine Schwimmbestzeit hatte ich eh nicht vor. Im Vorfeld war ich mehrmals die Strecke abgeschwommen und nach meiner Messung war sie etwas zu lang. Ausserdem hatte ich meine Prioritäten im Training anders gesetzt. Einige Male hatte ich heute trotzdem Gruppen von langsameren Schwimmern vor mir, an denen ich mich erst mal vorbei arbeiten musste. Von den üblichen Schlägereien blieb ich zum Glück weitgehend verschont. Ich fühlte mich recht gut im Wasser, doch richtig Rhythmus wollte in dieser Waschmaschine zu Beginn nicht reinkommen. Zumindest der Wellengang des Atlantik hielt sich heute in Grenzen – das Wasser war relativ ruhig. Fische konnte ich unter uns nur wenige sehen, da war letztes Mal noch mehr los. Ab und zu roch man den Diesel der Motorboote um uns herum. Nach der halben Strecke ging es dann zu einem kurzen Ausstieg an den Strand: für das Publikum sicher immer ein Spektakel, kann man doch die Platzierungen der einzelnen Athleten und auch so manchen lustigen Ausrutscher sehen. Mich nerven diese Landgänge mehr. Denn kaum wieder im Wasser begannen die Positionskämpfe schon wieder von Neuem. Wenigstens der Regen war durchgezogen. Anstatt dessen konnten wir im Süden einen Regenbogen erkennen. Erst nach der zweiten Boje merkte ich wie es langsam ruhiger um mich herum wurde, konnte mich weniger nach anderen Schwimmern richten und musste mich häufiger an Landmarkierungen orientieren. Offenbar hatte ich inzwischen doch einige hinter mir gelassen und fand mit der Ruhe um mich herum nun auch endlich zu meinem Rhythmus. Endlich konnte ich auch ungestört längere Züge machen. Der Ausstieg und das Ende der ersten Disziplin kamen dann etwas schneller als erwartet. 

Ready for the race
Die zweite Disziplin versprach interessant zu werden. Die Radstrecke des Ironman Lanzarote ist sicher das Highlight dieses Wettkampfs: in einer grossen 180-Kilometer-Runde geht es vorbei an allen touristischen Hotspots der Kanareninsel. Auf dem Kurs kommt zu den über 2.500 Höhenmetern oft noch ein heftiger und böiger Wind hinzu, der es den Teilnehmern nicht gerade leichter macht. Zu Beginn war von Wind im Vergleich zu den Vortagen noch wenig zu spüren, dafür kam mir gleich hinter dem Ort eine graue Regenwand aus der Inselmitte entgegen. Ich musste nicht lange warten, da radelte ich schon im nächsten Schauer. Als es kurz etwas flacher wurde, wollte ich mich verpflegen. Leider hatte ich heute morgen trotz penibler Vorbereitung am Vorabend in der morgendlichen Hektik meine feste Radverpflegung in der falschen Tasche im Hotel gelassen. Routine hin und her, aber ich bin auch nur ein Mensch, da kann sowas schon mal passieren. Ich versuchte trotzdem ruhig zu bleiben und wollte das Beste daraus machen. Da es am Start nichts gab, musste ich mich auf meine Getränke verlassen und wollte zumindest eine meiner Mineralienkapseln nehmen, die ich für den Notfall eingepackt hatte. Doch leider waren die durch den Regen inzwischen so weit aufgeweicht und zusammengeklebt, dass sie zusammenklebten und nicht mehr geniessbar waren. Kurz darauf sollte ich sie dann sowieso verlieren. Es blieb mir also nichts anderes übrig als auf die nächste Verpflegung zu warten und mich auf das zu verlassen, was ich dort bekam. Nach rund 22 Kilometern hatten wir dann den ersten längeren Anstieg mit knapp 250 Höhenmetern gepackt. Es folgte eine lange und rauschende Abfahrt hinunter nach El Golfo auf der mir der führende Faris Al Sultan zum ersten Mal entgegen kam (später beim Marathon sollte ich ihn wiedersehen). Die Tropfen des feinen Regens stichelten bei diesem hohen Tempo wie kleine Nadeln auf meiner Haut. Die spektakuläre Küstenstrasse an der Saline unten bei El Golfo haben sicher die Meisten schon mal irgendwo gesehen, wird sie doch gerne von Autofirmen für Werbeaufnahmen ihrer neuesten Modelle genutzt. Die Vulkane sind hier von Eisen noch sehr rot, während am Strassenrand schwarzer Lavastein und weit unten der brausende blaue Ozean weitere Farbakzente setzen. Heute herrschte hier tristes Grau vor, dafür liess der Regen langsam nach. Ich hielt mich auf dem Rad noch zurück und versuchte nicht gleich so früh alle Körner rauszublasen, trotzdem lief es platzierungsmässig ganz gut. Ein gut gelaunter Brite wollte mit mir schon kurz hinter El Golfo über unsere Radzeit spekulieren, doch das war mir zu früh. Kurz darauf fing es an meinem Rad dann zu knacken an und intensivierte sich mit jedem Tritt. Nachdem ich es nicht genau orten konnte, versuchte ich es erst zu ignorieren, doch es machte mich zunehmend nervöser. Meine Vermutung war, dass sich die Schraube einer Schuhplatte löste, was einige Wochen zuvor schon mal zu einer unfreiwilligen Verkürzung einer Radtrainingsrunde geführt hatte. Ich hatte den Sitz der Schrauben zwar vor dem Start nochmal geprüft, aber kurz vor dem Nationalpark Timanfaya hielt ich es dann mit dem Knacken nicht mehr aus und hielt an, lehnte mein Rad an ein Schild, fummelte mein Werkzeug aus der Satteltasche, prüfte die Schrauben an dem besagten Schuh abermals und fuhr dann weiter. Leider war das Knacken noch immer da. Nun konnte ich aber wirklich nichts mehr selbst machen – also weiter das Knacken ignorieren und hoffen. Tatsächlich sollte es dann später doch wieder von selbst verschwinden. Der Nationalpark Timanfaya mit seinen Kamelkarawanen und den spektakulären, schlafenden Vulkanen ist vermutlich das beliebteste Postkartenmotiv der ganzen Insel. Wir hatten heute nur wenig Zeit diese atemberaubende Umgebung zu geniessen. Schnell ging es hinaus aus den sogenannten Feuerbergen hinüber nach Tinajo und von da an die eher wüstenartige Westküste mit den Kitesurfern von Famara und dem Athletenclub La Santa. Der Regen war inzwischen weggezogen, dafür hatte der Wind unangenehm aufgefrischt – kam überall her nur nicht von hinten. Als es wieder bergab in Richtung Meer ging rauschte ich in einem der kleinen Orte wohl etwas zu schnell über einen der Speedbumps. Plötzlich flog meine vordere Flasche aus der Lenkerhalterung aus ihrer Befestigung vor mir auf die Strasse. Zu allem Überdruss fuhr ich noch drüber, stürzte aber wenigstens zum Glück nicht. Eine kurze Überlegung, ob ich umkehren und sie zurückholen sollte. Doch erstens war ich auf dieser abschüssigen Strasse viel zu schnell, umkehren zu gefährlich, und zweitens gab es keine Garantie, dass die Flasche noch heil wäre – vermutlich hatte sie auch schon einer der Zuschauer von der Strasse weggenommen. Also fuhr ich weiter, doch eine gewisse Verzweiflung machte sich breit: keine Riegel dabei, die Mineralien verloren und jetzt auch noch die Lenkerflasche weg, die ich immer mit den gereichten Getränken auffüllte. Die letzte verbliebene Flasche im Rahmen hatte einen speziellen Halter, da bekam ich keine normale Flasche rein. Ausserdem war da meine Spezialmischung drin, die ich erst im zweiten Teil der Strecke verwenden wollte. Ein bisschen kam es mir vor als ob eine übersinnliche Macht mir das Finishen heute verdammt schwer machen wollte. Da fiel mir ein, dass mein Triathlontrikot heute eine etwas grössere Tasche hatte als das vieler anderer Hersteller. Der Test an der folgenden Verpflegung glückte: hier passte tatsächlich eine Flasche rein – ich hatte also einen neuen, nicht ganz so aerodynamischen, Flaschenhalter gefunden. Von Famara folgte nun der längste Anstieg auf den höchsten Punkt der ganzen Radstrecke in die Berge nach Los Nieves und auf den Mirador del Haria. Eigentlich bin ich ein guter Bergfahrer, doch dieses Mal hatte ich Schwierigkeiten. Zuerst hatte ich nur Mühe und schob das auf die Steigung. Doch langsam schwanden mir immer mehr die Kräfte; rückblickend hatte ich die klassischen Anzeichen einer Unterzuckerung. Umso höher es ging, umso schwerer wurde es. Oben bliess uns der Wind stramm ins Gesicht. Ich war ein wenig verzweifelt ob dieser Schwächephase, hatte ich mich auf der ersten Hälfte der Radstrecke doch bewusst zurückgehalten, um gerade hier gut hochzukommen. Doch nun: einer nach dem anderen überholte mich! Instinktiv machte ich vermutlich das einzig Richtige und trank oben angekommen von meiner hochkonzentrierten Gel-Wasser-Mischung. Es folgte nun erst mal die Serpentinenabfahrt ins „Tal der tausend Palmen“ hinunter nach Haria. In den vielen engen Haarnadelkurven war höchste Konzentration geboten. Die Strasse war bei schönem Wetter schon nicht ungefährlich, der Wind und der feuchte Asphalt setzen dem Schwierigkeitsgrad heute noch etwas rauf. Ich kam recht gut hinunter in den Ort und machte mich gleich an den nächsten 200m-Aufstieg hinauf zum Mirador del Rio – für mich persönlich das absolute, optische Highlight dieser grossen Runde.
Blick vom Mirador nach Süden
Auf einer kleinen Seitenstrasse arbeitet man sich hier bis zum 475 Meter über dem Meeresspiegel liegenden Punkt an der Steilküste des Famaramassivs hinauf. Vor dem Gipfel öffnet sich den Athleten zur linken Seite ein phänomenaler Weitblick über die steilen Felsklippen und die etwa 2 km breite Meerenge auf das Chinijo-Archipel, die Insel La Graciosa und weitere Lanzarote im Norden vorgelagerte Inseln. In den 80er Jahren wurden hier oben Teile der Weihnachtsserie Tim Thaler gedreht.
Meerenge und La Graciosa
Inzwischen hatte ich mich soweit erholt, dass ich meine Position im Feld wieder halten konnte und keine weiteren Plätze mehr verlor. Vom Mirador folgte dann eine längere Abfahrt bis hinunter ans Meer. Zuerst recht ruppig, dann in abermals engen, unübersichtlichen Kurven. Ich kannte die Abfahrt und ihre Tücken und kam gut hinunter. Andere hatten weniger Glück. In einer der Kurven lag einer der Radfahrer hinter einer Leitplanke zwischen Lavasteinen und wurde verarztet, während ein paar andere Helfer schon sein Rad in den Wagen hievten. Überhaupt konnte man am heutigen Tage relativ viele gestürzte Athleten sehen. Ich hoffe, keinem von ihnen ist etwas Ernstes passiert. Zumindest schienen die Helfer der Organisation immer recht schnell vor Ort zu sein. In der letzten Abfahrt fuhr ein kleiner Lieferwagen aus einem Feldweg vor mir auf die Strasse und bremste mich den nächsten Kilometer etwas aus, da ich ihn wegen des Gegenverkehrs nicht überholen konnte. Als ich es nach dem nächsten Kreisel geschafft hatte, folgte eine längere, leicht ansteigende Gerade, auf der der Wind zur Abwechslung mal von hinten kam. Während andere sich von den Strapazen der Berge erholten, machte ich nun Druck und versuchte verlorenen Boden wieder etwas gut zu machen. Nach einigen Kilometern war die Strasse zwischen Teguise und Nazareth vom Belag her nochmal eine ziemliche Zumutung und bremste alle ziemlich aus. Doch selbst da konnte ich Plätze gut machen. Allmählich kamen wir in die Weinanbauregion La Geria. Es handelt sich um ein Naturschutzgebiet, in dem noch auf traditionelle Weise Wein auf meterdicker dunkler Vulkanasche angebaut wird. Umsäumt wird der Rebstock von einer kleinen Mauer, die ihn etwas vor dem Wind schützt und über die in den Nächten Tau gesammelt wird. Aufgrund der vielen Pflanzen wirkt dieser Teil der Insel vergleichsweise grün. Wir hatten bald die 160-Kilometer-Marke erreicht und es ging zügig Puerto del Carmen entgegen. Während den meisten anderen Athleten die Strapazen inzwischen deutlich anzusehen waren, fühlte ich mich wieder hellwach und radelte wie eine Maschine. Überholmanöver gestalteten sich meist so, dass ich nochmal das Tempo verschärfte, damit bloss niemand auf die Idee kam mir zu folgen. Kurz vor dem Ort gibt es nochmal eine kurvige, nicht ganz ungefährliche Abfahrt auf einem kleinen Strässchen. Als eher vorsichtiger Abfahrer drehte ich mich vor der Abfahrt nochmal kurz um, um zu sehen, ob jemand hinter mir war. Da war eine Gruppe von ca. 8 Fahrern doch nur 2 von ihnen schafften es zeitweise zu mir aufzuschliessen. Dann ging es schon in den Ort hinunter zur Promenade zur dritten Disziplin. Ich freute mich, dass ich dieses Monster an Radstrecke geschafft hatte und weil ich nun sicher war heute auch zu finishen – beim Laufen sollte nichts mehr passieren. Aber auch über diese fast unglaubliche Wiederauferstehung nach dem tiefen Loch in den Bergen freute ich mich ungeheuer – sowas hatte ich noch nicht erlebt. Eigentlich wäre ich jetzt gerne noch 20 Kilometer so weitergefahren.
Lanzarote ist nicht nur bekannt für seine Radstrecke, sondern auch für eine der längsten Wechselzonen im Ironman-Zirkus. Gefühlt hatte ich nach dem Radfahren schon 1-2 Kilometer gelaufen, als es endlich auf die eigentliche Laufstrecke ging.

Playa de Los Pocillos an Laufstrecke
Diese dritte Disziplin war für mich bei meinem letzten Start am enttäuschensten verlaufen, hatte ich doch ständig mit Seitenstechen, Übelkeit und der Hitze zu kämpfen. Von den letzten beiden blieb ich heuer verschont. Anstatt Hitze bliess uns aber immer noch ein strammer Wind aus Norden entgegen. Die Laufstrecke bestand aus 3 Runden – einer längeren und zwei gleich langen kürzeren – an der Promenade von Puerto del Carmen entlang. Wie überall auf der Insel so gab es auch hier leichte Wellen, richtig flach ist es eher selten. Ich schlug zu Beginn ein kontrolliert zügiges Tempo an. Wo es ging, versuchte ich mich vor dem steifen Gegenwind zu verstecken, doch fand ich keinen, der mein Tempo lief. Durch das Springen zwischen den einzelnen Gruppen war mein Lauf eher unruhig. Die Stimmung an der Strecke war gut - überall Klatschen, Anfeuerung und anerkennendes Nicken für uns Athleten. Meine Energie von der Radstrecke konnte ich derweil nicht wirklich in diese Disziplin rüberretten. Zwar war ich mit einem Schnitt von um die 5 Minuten/km nicht gerade langsam, allerdings hätte es etwas schneller doch schon sein sollen. Jedoch tat jede Tempoverschärfung im Wind weh und führte zu den schon von damals wohl bekannten Seitenstechen. Meine Erfahrung sagte mir, dass die Ursache von Seitenstechen oft eine Unterversorgung ist, deshalb nahm ich mir bei der nächsten Verpflegung gleich ein Gel. Die Seitenstechen verschwanden schnell wieder, allerdings sollte sich das gleiche Spiel noch einige Male wiederholen. Wenigstens konnte ich fast durchgehend laufen und konnte mir demütigende Gehpausen verkneifen. Wenn es mit dem Wind und einem kleinen Anstieg mal anstrengender wurde und andere gingen, wechselte ich in den Ultraschlappschritt und trabte hinauf. Unterwegs kam mir Kristin Möller entgegen. Sie lief mit leichten Schritten einem klaren Sieg im Damenrennen entgegen. Die Kilometermarkierungen an der Laufstrecke waren irgendwie seltsam gesetzt – die Matten ebenfalls. So ganz erschloss sich mir das System nicht, deshalb verliess ich mich mehr auf die Kilometeranzeige meiner Uhr. Als ich meine Halbmarathonzeit hochrechnete, lag ich gut unter 4 Stunden Laufzeit – klar auf Bestzeitenkurs für den Ironman Lanzarote. Meine Laufbestzeit vom Ironman Klagenfurt erschien mir in der heutigen Verfassung aber eher unwahrscheinlich. Mit dem weiter auffrischenden Nordwind in Runde 2 sollte sich das bestätigen und ich hatte Mühe das Tempo halbwegs zu halten. Als es dann in Runde 3 ging, begann ich wieder zu rechnen. Sollte ich noch weiter Zeit verlieren, würde die 3 vorne wackeln. Jetzt schon zu beschleunigen wäre gefährlich zumal ich immer noch mit leichten Seitenstechen zu kämpfen hatte. Bis zum Wendepunkt wollte ich noch warten – der Rückweg würde noch lange genug. Währenddessen kamen immer noch Radfahrer zum Ende ihrer zweiten Disziplin in die Stadt. Wie lange sie heute wohl noch unterwegs sein würden? Und viele sahen aus wie Topathleten, denen man ganz andere Zeiten zugetraut hätte .. . Doch ich kleiner, leidender Hobbysportler hatte es bald geschafft, während sie noch einen kompletten Marathon zu laufen hatten – ein wenig Freude kam auf – positive Gedanken sind zu dieser Zeit immer gut. Dann kam der Wendepunkt – das würde mit der Sub 4 Stunden eng werden! Jetzt gab es kein Halten mehr. Mein Schritt wurde länger – der Schnitt ging nun an die 4:30 Min/km – Tendenz immer schneller werdend. Noch einmal der Anstieg am Hotel Las Costas – danach noch einmal die Welle am Pavillion – dann der Buckel am Irish Pub – von hier ging es nur noch runter. Da war der grüne Zielbogen mit der grossen Leinwand – noch 200 Meter. Eine britische Athletin schaffte es vor mir gerade noch rechtzeitig vom Kanal zurück auf die Strecke rüber in den Zielkanal zu springen, der Sprecher bekam das mit und kommentierte ihre Aktion. Mit Riesenschritten lief ich derweil auf sie auf. 10 Meter vor dem Ziel waren wir gleichauf, überholen wollte ich sie nicht mehr. Auch das bliebt nicht unkommentiert: ich hörte irgendetwas wie „there's a gentleman at the finishline to defer to her“. Wir liefen gemeinsam durch den grünen Zielbogen und gaben uns die Hände. Hinter dem Bogen wartete schon Kenneth Gasque auf uns, der Racedirector und Gründer des Ironman Lanzarote, auch er schüttelte uns nochmal die Hände und gratulierte zu unserer Leistung. Erst bei dem Blick zurück auf den Zielbogen sah ich meine Gesamtzeit: trotz des Einbruchs auf dem Rad konnte ich mich im Vergleich zu meinem letzten Start hier nochmal über 20 Minuten verbessern – in Anbetracht der ungewöhnlichen Vorbereitung und des Chaos mit der Verpflegung konnte ich mit dem Ergebnis zufrieden sein.

Dämmerung an der Playa
Der Ironman Lanzarote war auf jeden Fall wieder eine Reise wert. Sicher ist nicht alles so perfekt organisiert wie vielleicht in Frankfurt oder Roth. Alle Helfer sind hier aber engagiert mit Herz dabei, die Anfeuerung ist gut und alle 3 Teilstrecken – besonders natürlich diese aussergewöhnliche Radstrecke – gehören zum Besten was man in Europa, vielleicht auf der Welt, finden kann. Für mich war es ein tolles erstes Highlight in der Saison – eine schöne Belohnung für das harte Training in diesem viel zu langen Winter.

12. Januar 2012

Vom Calima und trockenen Schotterpisten

Nachdem der letzte Urlaub doch schon einige Monate her war und ich im Herbst mich urlaubsreif fühlte, entschloss ich mich Anfang Dezember zu einem einwöchigen Kurztrip auf die Kanaren - genauer gesagt in den Süden Gran Canarias. Zuerst als abwechslungsreicher Sporturlaub inklusive Wassersport geplant, hatte sich das Thema Wassersport schon nach dem ersten Tag erledigt. Während einer MTB-Tour verlor ich in der 180°-Kurve einer Schotterstrasse die Kontrolle über mein Bike und rutschte mit der vollen Breitseite einige Meter über die trockene Steinpiste. Ausser Schürfwunden passierte mir zum Glück nicht viel, doch Arm und Bein auf der linken Seite waren beide von mehr oder minder tiefen Schürfwunden übersäht, damit war an Surfen im Salzwasser nicht mehr zu denken. Glücklicherweise erwies sich der Strand vor Maspalomas zu der Jahreszeit aber sowieso nicht gerade als tolles Surf- oder Tauchrevier. So nutze ich also auch an den Folgetagen das Tourenangebot des lokalen Veranstalters für weitere MTB-Ausflüge in das Innere der Insel.

Aufgrund des milden Klimas mit den Winden aus Afrika ist Gran Canaria ganzjährig für Biker empfehlenswert. Auch ich hatte bzgl. der Temperaturen oder gar Regen wenig auszusetzen. Wir hatten während der ganzen Woche tagsüber meist Temperaturen über der 20°C Grenze, so waren nur in den Höhenlagen mal eine Jacke oder Armlinge von Nöten. Vom Veranstalter standen meist 2 unterschiedliche Tagestouren zur Auswahl: jeweils eine Tour mit mittlerem Schwierigkeitsgrad und eine Tour, die als schwierige Trailtour angekündigt war. Auch wenn ich auf einige Bike-Erfahrung zurückgreifen kann, stellte sich für mich schnell heraus, dass mir die etwas einfacheren Touren schon vollends genügten. Der Untergrund - meist steinig, oft Schotter - war nach Wochen ohne richtigen Regen sehr trocken und lag mir gar nicht. Die etwas längeren und einfacheren Distanzen, kamen mir  ganz gelegen, wollte ich doch hauptsächlich die Insel kennenlernen und war nicht wie andere Biker auf den ultimativen Singletrail-Kick aus. So bekam ich während der Touren viele Highlights der Insel zu sehen. Neben dem höchsten Berg, dem Pico de las Nieves, kamen wir durch die Tal der tausend Palmen mit dem kleinen Ort Fataga und das Soria-Tal, an den Chira Stausee und konnten den Roque Nublo sehen. Das sogenannte "Klein-Venedig" Puerto de Mogán war ebenfalls einmal Endstation einer Tour. Es gab fast keinen Weg, von dem man nicht irgendwo einen tollen Ausblick in eines der Täler oder auf einen der Stauseen der Insel hatte. Leider wurde es in der 2ten Wochenhälfte durch den Calima, den aus der Sahara kommenden Sandwind, etwas dunstiger. Die Weitsicht war dadurch eingeschränkt, blauen Himmel und Sonne sah man nur noch vereinzelt. Wie auch bei meinen Alpencross-Touren so stellte sich auch dieses Mal bei mir über die Tage hin eine grössere Sicherheit mit meinem Gefährt ein. Vielleicht lag das auch am Bike selbst, das ein Leihrad des Veranstalters war und über die Woche hin 2 mal wechselte - beim letzten MTB machten die Bremsen den besten Eindruck und auch der Rahmen passte mir am besten. Allerdings hatte ich auch gerade damit meinen einzigen platten Reifen der Woche. Reifendefekte waren aufgrund des steinigen Untergrunds in den Bikegruppen gar nicht so selten. Den richtigen Luftdruck im Reifen zu finden war gar nicht so einfach: zu viel Druck bedeutete fehlenden Grip auf den häufigen Schotterpisten, mit weniger Luftdruck fuhr sich zwar besser allerdings war die Gefahr einen Reifendurchschlags auch grösser. Auf den Touren versuchte ich neben einigen Fotos auch immer wieder ein paar bewegte Bilder zu machen. Ein bisschen Nacharbeit war notwendig, aber hier ist es nun: mein Bike-Video Gran Canaria 2011!



26. Dezember 2011

Go Wild or Go Home

Zum Abschluss eines sehr sportlichen Juli 2011 ging es wiedermal mit dem MTB über die Alpen. Diesmal fast direkt wie beim "Flug der Schwalben". Der Experte weiss bei diesen Worten schon, um welche Route es sich handelt: um die 1989 von Andi Heckmair im Magazin "BIKE" vorgestellte Tour von Oberstdorf nach Riva am Gardasee. Im Laufe der Tour sollten wir etwas von der ursprünglichen Route teils mehr teils nur kurz abweichen. So oder so sollte man diese Strecke auf jeden Fall nur mit ausreichend Kondition und fahrtechnischer Erfahrung angehen, ansonsten wird das mit dem Rad sehr hart. Alternativ könnte man die Strecke nach Aussage des "Entdeckers" übrigens auch wandern oder im Winter als Skitour durchführen. Für mich war es der nunmehr fünfte Alpencross mit dem MTB und der erste mit meinem neuen Specialized Stumpjumper FSR Elite. Wegen des Ironman Kärnten und des Rennradmarathons im Juli kam ich leider nicht so häufig dazu mit dem neuen Bike zu fahren. Kurzfristig bekam ich wenige Tage vor der Tour dann noch Probleme mit der Klemmer der Sattelstütze. Ein Austausch der Klemme half. Leider rutschte mir in der ersten Tagen der Tour die Sattelstütze dann doch noch einige Male leicht in das Sattelrohr rein, was nicht nur nervig war, sondern wegen der suboptimalen Sattelpositionen auch für meine Knie und Beine mitunter schmerzhaft. Dank der Fertigkeit unseres Guides und mit dem richtigen Schmiermittel konnten wir das Problem beheben. Folge der falschen Sattelposition in den ersten Tagen waren allerdings neben den Schmerzen in Knien und Beinen auch heftige Rückenschmerzen, die erst mit der Zeit nachliessen. Ansonsten verrichtete mein neues Rad seine Dienste mehr als vorbildlich, brachte mir im Vergleich zu den Vorjahren mit seinem Vorgänger ein gestiegenes Mass an Sicherheit in etwas schwierigeren Singletrails und somit auch mehr Fahrspass. Der Wechsel von einem klassischen 3-fach Kettenblatt vorne zu einem 2-fach, der mit dem Bikekauf verbunden war, brachte keine grossen Nachteile. Ich komme - soweit ich es möchte - immer noch jede Rampe hoch. Lediglich auf sehr schnellen Asphalt-Abfahrten tritt man irgendwann ins Leere, wenn man noch mehr beschleunigen möchte - das gleiche Phänomen also wie bei einer Kompaktkurbel am Rennrad. Mich stört es jedenfalls nicht, ich muss auf meinen Touren ja keine Rennen fahren.

1. Etappe: Oberstdorf - Dalaas/ Wald

Den Schrofenpass hinauf
Der erste Tag zeigte wettermässig wie es die nächsten Tage weitergehen sollte: es war grau, recht frisch und nach den ersten Kilometern im Rappenalptal erwartete uns dann noch ein eichter Nieselregen. Zum Glück blieb die Sicht einigemassen, so dass wir selbst beim spektakulären, aber nicht ganz ungefährlichen Pfad hoch zum Schrofenpass jederzeit eine gute Sicht auf den Weg und auch eine gute Aussicht ins Tal hatten. Der Regen liess irgendwann wieder nach, aber auf den Abfahrten war wegen der glitschigen Wege und Steine eine zusätzliche Portion Vorsicht gefordert. Der erste Teil der Heckmair-Route entspricht dem Start der ebenfalls recht bekannten "Joe-Route" von Achim Zahn ("Serac Joe"), die ich bei meinem zweiten Alpencross gefahren war. Die Wege waren mir recht bekannt und ich konnte mich deshalb auf den schwierigeren Streckenabschnitte voll auf den Weg konzentrieren und war nicht zu sehr durch das tolle Alpenpanorama abgelenkt. Ein weiteres Streckenhighlight während des ersten Tages war für mich die Fahrt durch das Formarintal mit seinem gleichnamigen Bergsee auf einer Höhe von 1.793m. Beim wettermässigen Grau, das heute herrschte, erstrahlte der See nicht ganz so blau wie bei meinem letzten Besuch. Die Abfahrt hinter dem See über das Raue Joch ist dann wieder etwas tricky. Teils konnte man ganz gut fahren, bei anderen Abschnitte zog ich lieber vor zu schieben. Letztendlich wollten wir ja alle heil in Riva ankommen. Unsere Herberge befand sich im Tal in Dalaas bzw. im etwas höher gelegenen Stadtteil Wald. Wie sich rausstellen sollte, war diese Herberge ein ziemlicher Reinfall - zumindest was das Essen anging. Es sollte zum Glück der Einzige solche Ausfall für diese Tour bleiben.

2. Etappe: Dalaas/ Wald - Klosters

Der Morgen begann ohne grosses Einrollen amtlich mit einem langen Anstieg auf den Kristbergsattel. Auch diesen Anstieg kannte ich noch, weshalb ich vorsichtig anfing, um mich langsam einzurollen. Im Hinterkopf behielt ich immer die komplette Tour bis Riva und ich wollte meine Körner nicht schon in den ersten Tagen aufbrauchen. Obwohl es so früh am Morgen noch recht kühl war, wurde mir bei den Steigungsprozenten schnell warm. Nachdem ich meine Jacke nach wenigen hundert Metern weggepackt hatte, eilte ich den anderen hinterher. Dabei fand ich einen guten Rhythmus, fuhr mich fast in sowas wie einen Rausch, überholte in kürzester Zeit die ganze Gruppe, die sich inzwischen etwas auseinander gezogen hatte, und kam schliesslich als Erster oben an. Wir waren zwar nicht bei einem Rennen, aber dieser gute Rhythmus und die Lockerheit wie ich hier hochgekurbelt war, hatten Spass gemacht! Hoffentlich würde die Form so bleiben. Oben auf dem Kristbergsattel trennen sich Joe- und Heckmair-Route, ab hier war die Strecke also neu für mich. Bevor es weiterging, gönnten wir uns allerdings erstmal noch ein zweites Frühstück - das morgens in der Herberge war wie schon erwähnt nicht der Rede wert, weshalb wir alle noch hungrig waren. Nach der Abfahrt ging es zumeist auf Asphaltstrassen über Gargellen wieder bergauf in Richtung des Schlappiner Joch. Der letzte Abschnitt bis zum Joch auf 2.202 Metern ist leider nicht mehr fahrbar, deshalb hiess es in der letzten Stunde schieben und auch mal auf den Schultern tragen. Oben lag noch ein wenig Schnee. Auf der Abfahrt wurden wir dann für die Strapazen mit der ersten längeren Sonnenphase unserer Tour belohnt. Idealerweise wartete unten in unserem Zielort Klosters ein schöner Biergarten auf uns, wo wir den Tag amtlich ausklingen lassen konnten; sozusagen zum "Après-Bike".

3. Etappe: Klosters - S'Chanf

Unterwegs zum Scalettapass
Für die dritte Etappe stand mit dem Scalettapass über 2.600 Meter nur ein Pass auf dem Programm. Nach den zwei anstrengenderen Tagen sowas wie ein Erholungstag und bei unserer bisherigen Geschwindigkeit war sie sicher in Kürze erledigt. Deshalb entschlossen wir uns morgens noch eine kleine Extrarunde einzubauen. Anstatt durch das Tal auf unspektakulären Wegen direkt nach Davos zu rollen, machten wir einen Umweg über den Berg. Die Luft war noch ähnlich klar wie am Vorabend, deshalb hatten wir eine tolle Aussicht auf die umliegende Graubündener Berglandschaft. Die Trails waren herrlich und gut fahrbar. Die kleine Schleife hat sich auf jeden Fall gelohnt auch wenn sie nicht von Heckmair vorgesehen war. Auf der Abfahrt ereilte uns allerdings der erste Defekt der Tour, der nicht so ohne weiteres behoben werden konnte. Zum Glück schaffte wir es noch mit dem defekten Bike nach Davos ins Tal. Dort machten wir dann einen ungeplanten Zwischenstopp mit Mittagessen bis das Rad unseres Mitfahrers beim Fachhändler repariert worden war. So begann die eigentliche Etappe erst gegen 1 Uhr mittags - so langsam war dann doch etwas Eile geboten. Den ersten Streckenabschnitt im Tal konnten wir ganz gut hinter uns bringen. Wie schon häufiger auf der Tour so begegneten uns unterwegs auch hier ein paar Trailläufer. Vermutlich trainierten sie für den Swiss-Alpine Marathon am Wochenende. Der Aufstieg zum Pass kostete uns dann Kraft - hier war nichts mehr mit fahren, zu steil war der Weg. Ausserdem war gerade ein kleiner Bagger am schaffen, um aus dem schönen, ausgewaschenen Naturpfad einen breiteren Weg zu machen. Von der Baustelle weiter oben rollten immer wieder Steine herunter, Vorsicht war also geboten. Doch irgendwann ist jeder Berg mal zuende. Der Pass war oben vergleichsweise flach und weitläufig. Der Wind pfiff uns um die Ohren und wir konnten dunkle Regenwolken beobachten - sie würden an uns ausnahmsweise mal vorbeiziehen. Nach der relativ schnellen Abfahrt wartete nochmal ein kleiner Gegenanstieg im Wald mit Wurzeln und Buschwerk - fast wie daheim. Der Ort S'Chanf war mir vorher kein Begriff, die Station lohnte aber zumindest was unsere Herberge anging allemal. Hier gab es auch im Gegensatz zur letzten Unterbringung ein anständiges abendliches Mahl für uns Alpencrosser.

4. Etappe: S'Chanf - St.Caterina

Der vierte Tag hatte es in sich. Mit dem Chaschauna Pass (2.690 m) wartete gleich zu Beginn das Dach der Tour auf uns. Nachmittags folgte dann noch der Passo Alpisella (2.268 m).
Zu Beginn ging es durch ein typisches Gebirgstal auf einer Waldautobahn stetig bergauf. Um so höher wir kamen, umso lichter wurde es. Neben unserem Weg stürzte der Hang steil in die Tiefe, unten am Talboden rauschte ein Bach zu Tal. Vor dem letzten Bauernhof stiegen die Steigungsprozente nochmal stark an - der Schweiss floss mir aus allen Poren. Am Hof angekommen waren wir ziemlich geschafft doch um uns türmten sich weitere Berge auf - der Passübergang war immer noch nicht in Sicht. Von nun an wurde es in dem Hochtal noch etwas einsamer - zum Glück auch wieder etwas flacher. Als wir am Ende des Tals angekommen waren, stand ein weiterer Aufstieg von nochmal 450 Höhenmetern per Pedes auf dem Programm. Nicht ohne Grund bezeichnet Andi Heckmair seine Route als eine "hochalpine Wanderung, die man auch mit dem Rad machen kann". Allerdings war der Weg nun teilweise so, dass selbst schieben nicht mehr möglich war und wir das Rad ein ums andere Mal schultern mussten. Im Vergleich zum letzten Jahr fiel mir das Schultern des Bikes deutlich einfacher, was sicher auch dem neuen Rad zuzuschreiben war. So war unser Aufstieg dieses Jahr weniger Tortur als damals sondern eher notwendiges Übel und ganz gemäss Heckmair eine Wanderung mit Rucksack und Rad als Gepäck. Die Aussicht oben war wieder genial und die Abfahrt entschädigte für die Strapazen zuvor. Die Auffahrt zum zweiten Pass war im Vergleich zum Morgen dann geradezu einfach, allerdings regnete es mal wieder was doch schwer an meiner Moral krazte. Die Laune sollte sich aber schnell wieder ändern, denn der Trail hinter dem Alpisellapass war für mich persönlich eines der Abfahrts-Highlights der ganzen Tour. Es folgte ein nicht ganz so spannender Teil auf einer fast 30 km langen, flachen Höhenschotterstrasse. Die Landschaft war schon toll doch so wolkenverhangen wollte nicht so richtig Laune aufkommen. An den Hängen konnte man Abschnitte anderer Transalp-Touren sehen, die ich in den letzten Jahren schon gefahren war. Der Regen hatte zwischendurch mal aufgehört doch am Ende des Tals kündigten sich schon die nächsten Schauer an. Wir beeilten uns, dass wir nach Bormio kamen. Die Tag hatte bis hierhin ganz schön Kraft gekostet, weswegen einige Teilnehmer vor dem letzten Anstieg nochmal ihre Vorräte auffüllen mussten. Dann ging es in Richtung unseres Tagesziels nach St.Caterina. In Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit wichen wir vom Wanderweg auf die Strasse aus. Leider erwischte uns kurz hinter Bormio die nächste Regenwolke. Bis wir in St.Caterina angekommen waren, war jeder aus der Gruppe bis auf die Knochen nass.

5. Etappe: St.Caterina - Dimaro

Vorletzter Tag der Tour. Ohne Gnade ging es gleich auf der Fahrstrasse vom Hotel aus direkt auf den 2.621 Meter hohen Gaviapass. Ich kannte den Pass schon von der Joe-Route und teilte mir die Kräfte entsprechend gut ein. Leider war das Wetter am heutigen Tage einmal mehr eher durchwachsen, so konnten wir einige Berge hinter den Wolken und Nebelschwaden nur erahnen. Immerhin regnete es nicht so stark wie damals bei der Joe-Route. Ein Besuch des Refugio am Pass ist hier geradezu Pflicht für jeden Radler. So teilten wir uns den Gästeraum vor unserer Weiterfahrt mit 4-5 anderen Radgruppen, die ebenfalls diesen Pass heute auf dem Programm stehen hatten. An einer Trailabfahrt von Pass wird noch gebaut, deshalb blieb uns für die Abfahrt nur die Fahrstrasse. Mir machte es trotzdem Spass. Wir waren noch nicht ganz unten angekommen, da zweigte der Weg ab zum Val Di Viso ab. Die Heckmair-Route hatten wir inzwischen verlassen und waren nun wieder auf der Joe-Route. Vorteil dieser Route: die 4-stündige Schiebepassage am Passo di Campo blieb uns erspart. Am Ende des Tals erwartete uns Case di Viso, sowas wie eine Museumsbergdorf mit Steinbauten. Nochmal kurz verschnaufen, dann ging es bergauf. Pausen hatten wir bisher kaum gemacht, es rollte bei allen noch ganz gut und für den Mittag war neuer Regen angesagt. Die Wand, die wir hoch mussten, sah nicht nur steil aus - sie war es! Also nichts wie hinauf!
Trail am Lago di Pian Palu
Der Weg bergauf führt über Serpentinen und ist weitgehend gut fahrbar. Nur zwischendurch sind ein paar unangenehm steile Rampen, wo der ein oder andere dann vielleicht doch lieber absteigt und schiebt. Als ob das noch nicht genug wäre, fing es bei der Auffahrt wie befürchtet an zu regnen. Unterdessen näherten sich auch die Temperaturen mit jedem gewonnen Höhenmeter dem Gefrierpunkt und das im Sommer; so langsam wurde es unangenehm. Umso mehr freuten wir uns als wir endlich im Refugio knapp unter dem Pass angekommen waren und eine warme Mahlzeit zu uns nehmen konnten. Von hier war es dann nur noch ein kurzer aber heftiger Aufstieg die letzten 200 Meter hoch bis zur Forcellina di Montozzo (2.613 m). So schön es hier oben normalerweise ist, aber keinem von uns war nach einem langen Verbleib, so machten wir uns schnell auf die Abfahrt. Während das Hochtal oben noch weitgehend gut zu fahren ist, wird der Trail in Sichtweite des smaragdgrünen Lago di Pian Palu steil und schwierig zu fahren. Erst hinter einer Brücke, die uns über einen Bach in den Wald führte, wurde der Trail dann wieder einfacher. Immer wieder schimmert zwischen den Bäumen der See hindurch. Doch wer auf dem schmalen mit Wurzeln durchsetzen Weg nicht stürzen möchte, der sollte besser nicht so häufig ins Tal schauen. Wenn man das Ende des Trails erst erreicht hat, dann folgt der unspektakulärste Teil der Etappe. Grösstenteils auf Asphaltwegen geht es nach ins Val di Sole nach Dimaro auf Fusse der Brentadolomiten. Kurz vor dem nächsten grösseren Regenguss schafften wir dort unser Hotel zu erreichen.

6. Etappe: Dimaro - Riva

Der Gardasee in Sicht
Wie am Vortag ging es auch bei der letzten Etappe gleich in den Berg. Auf einer Schotterstrasse fährt man durch den Naturpark Adamello-Brenta in Richtung des recht hässlichen Wintersportortes Madonna di Campiglio. Weiter oben kann man zwischen den Bäumen immer häufiger einen Blick auf das Brentagebirge am Rande des Tals erhaschen. Den Ort Madonna Di Campiglio kann man getrost schnell durchfahren, da verpasst man nicht allzu viel. Dahinter führte uns die Route auf schmalen Waldpfaden und Schotterpisten hinüber ins viel schönere Val d'Agola. Das Idyll am gleichennamigen Bergsee weiter oben lud uns schon eher zu einer kleinen Pause ein. Es folgte der Aufstieg hoch auf den Bärenpass; ein letztes Mal war schieben angesagt. Nach kurzer Verschnaufpause geht es dann vom Bärenpass mit Highspeed weitgehend auf Schotterpiste ins Tal nach Stenico. Vom Klima her wurde es nun deutlich mediteraner. Ein letzter kaum erwähnenswerter Anstieg trennte uns jetzt noch vom Gardasee. Über einen Feldweg arbeiteten wir uns nach oben. Doch früher oder später kommt man hier auf die Strasse gen Riva. Ungefähr als wir auf die besagte Strasse kamen, fing es abermals an zu regnen. Es wäre auch ein fast ein Wunder gewesen, wenn es auf dieser Tour mal einen Tag ohne Regen gegeben hätte .. . Aber die Sicht war noch gut und so konnte wir die Panoramaabfahrt hinunter an den Gardasee trotzdem geniessen. Bis zu unserer Ankunft am See hörte der Regen dann zum Glück wieder auf. Dafür gab es dann beim obligatorischen Alpencrosser-Bad im See zur Abwechslung mal Wasser von unten. Im Ort genehmigten wir uns dann noch ein leckeres italienisches Eis - das hatten wir uns redlich verdient!

Auch wenn wir auf der Tour mit dem Wetter etwas Pech hatten, so machte mit die Route doch Spass. Konditionell und technisch anspruchsvoll bot sie alles, was man sich als MTB-Alpencrosser wünscht. Unser Guide zeigte ein ums andere Mal seine Erfahrung und führte uns sicher und mit viel guter Laune über die Alpen. So wurde es dann letztendlich doch ein schöner Sommerurlaub.

24. April 2011

Eine nicht ganz alltägliche Laufrunde

Unlängst im Trainingslager stand am Tag nach unserer Königsetappe ein lockerer Lauf auf dem Plan. Die Laufstrecken in Umgebung unseres Urlaubsdomiziels boten wenig Abwechslung, verliefen sie entweder an stark befahrenen Verbindungsstrassen oder im landschaftlich wenig spektakulären Küstenhinterland zwischen Fincas, Viehweiden und Pferdekoppeln meist flach dahin. Um mein Training etwas aufzulockern, entschloss ich mich an diesem Tage mein Training, um eine weitere Komponente zu erweitern und auf diese Weise etwas abwechslungsreicher zu gestalten. Neben meiner Laufuhr nahm ich an diesem Tage auch mein GPS-Gerät mit. Vor dem Lauf hatte ich mir aus dem Internet 3 Geocaches herausgesucht und durch Verbindung der 3 Positionen eine einfache 9-Kilometer-Laufroute erstellt. 

Geocaching kann man als eine moderne Art der Schnitzeljagd umschreiben: jemand versteckt vorher an selbstgewählten Punkten einen "Schatz" (= Cache), speichert die Position des Caches (möglicherweise in Zusammenhang mit einem kleinen Rätsel) im Netz und andere Leute können diese Caches dann aus dem Netz heraussuchen und versuchen zu finden. Inzwischen hat sich Geocaching über die ganze Welt verbreitet - fast überall findet man Caches. Wer die einschlägigen Suchmaschinen verwendet, wird zum Thema unzählige Seiten finden, ausserdem gibt es allerlei Bücher zum Thema. Selbst Gruppen wie der Deutsche Alpenverein bieten schon Einsteigerkurse für Geoaching an. Dabei ist Geocaching wirklich nicht so schwierig. Ich will in diesem Zusammenhang auf ein kleines Geocaching-Tutorial meiner Kollegin Britta hinweisen, wo sie die Basics ganz gut erläutert - mehr braucht man nicht zu wissen, um sich auf seine erste Schatzsuche zu begeben. Ach Moment .. sein GPS-Gerät sollte man natürlich auch bedienen können!

Zurück zur Laufrunde. Die 3 Geocaches habe ich mir bei geocaching.com herausgesucht. Natürlich habe ich meinen Lauf geloggt und im Netz zum Nachlaufen festgehalten. Natürlich habe ich die Runde auch etwas detaillierter beschrieben. Aber wie gesagt: Geocaches gibt es fast überall! Wer jetzt Interesse bekommen hat, der braucht nicht extra nach Mallorca zu reisen, sondern kann mal schauen, ob er auch paar Caches in Umgebung seines aktuellen Aufenthaltsorts - vielleicht sogar nahe seiner Hausrunde findet. Und dann nichts wie raus auf Schatzsuche!

14. August 2010

TrailTransalp Karwendel - Monte Grappa

Im Juli ging es wieder mit dem MTB auf Alpencross. Diesmal führte uns die Route vom Karwendel über Zillertaler Alpen, Belluner Dolomiten an den Monte Grappa. Ausgeschrieben war die Tour vom Veranstalter als "TrailTransalp" und die Bezeichung war Programm: mit zahlreichen anspruchsvollen Singletrails. Gemäss Singletrail-Skala war die Tour mit S2 ausgeschrieben, tatsächlich waren aber auch einige S3-Trails dabei. Wer die beschriebene "sehr gute Kondition und absolute Bikebeherrschung" also nicht hatte, der musste ab und zu auch mal schieben oder sogar tragen. Als Belohnung erwarteten einen auf der Route dafür traumhafte Bergpanoramen auf den hochalpinen Übergängen.

1. Etappe Seefeld – Schwaz
Karwendel
Los ging es in Seefeld. Nach einigen Kilometern entlang der Bahnlinie geht es durch das Karwendeltal zu Karwendelhaus und Hochalmsattel. Auf der ersten Abfahrt zum kleinen Ahornboden war ich teils auf groben Schotter noch etwas unsicher - wer den Grossteil des Jahres nur Rennrad fährt, der muss sich nicht wundert, wenn die Sicherheit auf unwegsamen. und lockerem Grund nicht von Beginn an da ist. Im Anschluss folgte dann der Aufstieg zur Falkenhütte. Unser Guide war recht aufmerksam und hatte meine Unsicherheit auf der Abfahrt bemerkt. Er baute beim nächsten Hüttenstopp Bremse und Schaltung an meinem Lenker dahingehend um, dass er Schalthebel und Bremsgriff gerade vertauschte. Tatsächlich ging es mit der leicht verändertern Griffposition im Anschluss besser.  Einige der anderen Teilnehmer nutzen die Pause für eine regionale Zwischenstärkung: Kaspressknödl. Zwar nicht gerade kalorienarm (u.a. aus Bergkäse und Kartoffeln) zeigte der Snack trotzdem seine Wirung und gestärkt folgte dann der zweite Teil mit weiterem Auf und Ab bis zu unserem Etappenziel in Schwaz.
Für eine erste Etappe war der Tag mit mehreren kleineren Anstiegen schon relativ anstrengend ,was allerdings auch am Gruppentempo hängen konnte. Das sollte sich zum Glück an den Folgetagen etwas normalisieren.

2. Etappe Schwaz - Mayrhofen
War der Vortag gekennzeichnet durch einen häufigen Wechsel zwischen Auf- und Abfahrten, so gab es heute auf dem Weg nach Mayrhofen mit dem Sidanjoch (2127m) nur einen grösseren Berg zu erklimmen. Bergauf wurde es mitunter so steil, dass schieben angesagt war. Dafür ging es dann auf relativ flüssigen Trails, Wald- oder Forstwegen gen Tal. Die Gruppe hatte sich inzwischen gefunden. Jeder einzelne Teilnehmer fuhr sich so langsam ein, gewann gerade auf den Abfahrten an Sicherheit und wusste wo es für ihn an welcher Position am besten zu fahren war. So stieg auch bei mir langsam der Spassfaktor, während ich am Vortag durch das vorgelegte Tempo und den Schwierigkeitsgrad der Wege doch noch etwas genervt war. Nur beim abschliessenden "Höllenritt" nach Mayrhofen hinunter zog ich es dann ab und zu doch wieder vor freiwillig zu schieben (im Netz findet man zu dem benannten MTB-Downhill zahlreiche Berichte und sogar Videos).  Unter Bikern ist der Trail bekannt, Schilder weisen den Abschnitt ausdrücklich als MTB-Strecke aus, auf dem nicht gewandert werden sollte. Unseren Zielort Mayrhofen fand ich persönlich etwas abschreckend. Unsere Herberge war in Ordnung, aber den ursprünglichen Charme eines Bergdorfes sucht man hier vergeblich. Anstattdessen reihen sich an der Hauptstrasse Partylocations und Shops aneinander.

3.Etappe Mayerhofen – Ahrntal
Am 3ten Tag stand nur ein einziger Berg zwischen uns und unserem nächsten Etappenziel. Der sollte es aber in sich haben. Unser Guide gab uns deshalb die Möglichkeit die erste Teilstrecke mit dem Bus zu fahren - keiner wollte. Wir sattelten also unsere zweirädrigen Rösser und los ging es. Durch den Zillergrund kletterten wir bis zu unserer ersten Station am Gasthof Bärenbad weitgehend auf Asphalt langsam bergauf. Zu beiden Seiten stürzten kleine Wasserfälle von den Bergen hinab und speisten den neben uns rauschenden Bach . An den Berghängen zogen sich Nadelbäume bis in die oberen Lagen empor, während unten im Tal die Küche auf ihren sattgründen Weiden grasten. Hier mit dem Bus einfach nur kurz durchzufahren wäre viel zu schade gewesen, so bereute auch keiner seine Entscheidung vom Morgen. Von Müdigkeit oder Kraftlosigkeit war (noch) keine Spur, so hatten wir sogar die Kraft zwischendurch einen steckengebliebenen Campingbus aus Morast und Gestrüpp am Strassenrand zu befreien. Nach dem Stopp am Gasthof wurde es dann etwas anstrengender: zwischen grasenden Kuherden hindurch ging es auf steiler werdenden Schotterstraßen bis zu einer kleinen, einsamen Alm. Hier war Endstation was das Fahren anging. Vor uns wartete ein endloses Felsenmeer, das es zu durchqueren galt. Nur selten wurde das Meer an Steinblöcken von kurzen Wiesen unterbrochen. Von nun an hiess es also tragen - tragen nicht nur des Rucksacks sondern auch des Bikes auf den Schultern bis zum Hundskehljoch hinauf. Zu Beginn empfand man das Tragen noch gar nicht so schlimm. Aber mit zunehmender Dauer schmerzten bei mir besonders Rücken und Ellbogen, mit denen ich immer wieder versuchte das Rad auf meinem Schultern in der richtigen Position zu stabilisieren. Dazu musste man noch aufpassen, wo man hintrat und wo der Weg weiter ging. Rund 2 Stunden dauerte das Martyrium bis wir endlich oben waren. Tröpfchenweise trudelte einer nach dem anderen hier ein, fertig waren alle mehr oder weniger. Ansonsten waren wir alleine: Wanderer verirren sich kaum in diese Ecke, da es hier oben auch keine Herberge gibt, in die man nach dem kräftezehrenden Antieg einkehren könnte. So manch einer aus unserer Gruppe würde den heutigen Anstieg auch erst noch am folgenden Tag wirklich zu spüren bekommen .. . Die Abfahrt war dann für technisch versierte Biker sicher ein Schmauss, für einige Mitglieder der Gruppe wie auch mich galt es allerdings gleich wieder zu schieben, weil der grösste Teil des diesseitigen Weges durch das Felsenmeer zu anspruchsvoll war (Level S3). Erst weiter unten bei den Almen konnte die ganze Gruppe wieder aufsitzen und weiterfahren.
Man kann sicher schon rauslesen, dass dies nicht "meine Etappe" war. Aber auch ich sollte auf den nächsten Tagen noch meinen Spass bekommen.

4. Etappe Ahrntal – Plätzwiese
Am vierten Tag stand die bis zu diesem Zeitpunkt längste Etappe mit Bergankunft im Naturpark Fanes auf dem Programm. Auf Schotterwegen und einem alten Militärpfad kurbelten wir langsam in die Höhe. Die Steigungsprozente waren so schon nicht ohne - so früh am Morgen wirkten sie aber nochmal etwas heftiger.
Hochalmen unter der Ochsenlenke
Über Almen und ein kleines Schneefeld erreichten wir dann den höchsten Punkt der Tour: der Ochsenlenke auf 2614 Metern. Von hier oben hatte man an diesem Tag einen herrlichen Rundumblick. Die Luft war relativ klar und wir konnten gut erkennen, wo uns die Wege noch hinführen würden.
In einer schnellen Abfahrt zum grossen Teil über Schotterstrassen ging es hinab nach Sand in Taufers und im Anschluss auf Radwegen gen Bruneck. Die Sonne brannte auf uns herab und das Tempo auf dem mehr oder minder flachen Abschnitt war ähnlich hoch wie am ersten Tag. In Bruneck gönnten wir uns eine Mittagspause bevor es in ähnlichem Tempo weiter durch das Pustertal ging. Es war kein Wunder, dass sich auf diesem einfacheren Abschnitt hauptsächlich die sonst eher Rennrad Fahrenden in der Gruppe vorne fanden und das Tempo machten. - unser Guide hat das schon vorhergesehen Hinten dann langsam zeigten die ersten Teilnehmer Ermüdungserscheinungen - vermutlich auch durch die anstrengende Etappe vom Vortag. Das Wasser ging in der sengenden Mittagshitze ausserdem schneller zur Neige als gewohnt und manch einer hatte seine Vorräte früh aufgebraucht. So kam  uns allen eine weitere Kaffeepause ganz gelegen.
Zum Abschluss der Etappe ging es hoch zur Hütte auf der Plätzwiese (ital. Prato Piazza). Die auf ca. 2000 Metern gelegene Plätzwiese im Naturpark Fanes-Senes-Prags ist ein Hochplateau in den Dolomiten, das umgeben ist von den Bergmassiven Hohe Gaisl, Drei Zinnen, Tofana und Monte Cristallo. Auch ich war inzwischen müde, rollte als einer der letzten los und versuchte zu Beginn des Anstiegs eher gemütlich aber konstant zu kurbeln. Der Weg war nicht zu verfehlen, so konnte jeder sein Wohlfühltempo fahren und musste sich nicht mehr an das Gruppentempo richten. Vor mir waren 2/3 der Gruppe. Nach und nach passierte ich dann doch die einzelnen Leute. Irgendwann fand ich mich dann doch wieder an der Spitze der Gruppe wieder. Obwohl wir alle den Tag über schon hart arbeiten mussten, entwickelte sich dann in der Spitzengruppe doch sowas wie ein Ausscheidungsfahren zur Bergankunft. Schon irgendwie bekloppt nach so einem langen Tag, aber es machte Spass. In Unkenntnis der verbleibenden Strecke lies ich dann aber ca. einen Kilometer vor dem Ziel von meinem letzten Begleiter abreissen, schliesslich sollten noch ein paar weitere harte Tage folgen und ich wollte nicht bei so einer Raserei meine letzten Körner lassen (in solchen Situation kommt dann doch die Vorsicht des Langdistanzler wieder durch). Die Aussicht oben auf die umliegenden Bergmassive war wieder beeindruckend. Bei unserem leckeren Abendessen draussen vor der Hütte  konnten wir sie noch einige Zeit geniessen, bevor es dann langsam dunkel wurde.

5. Etappe Plätzwiese – Alleghe
Die Nacht über hatte ich in der Gruppenunterkunft recht schlecht geschlafen - sei es wegen der Höhe oder auch wegen den Schnarchgeräuschen. Die Auswirkungen merkte ich leider erst beim losfahren - Kopfschmerzen! Jeder kleine Stein, jede Stufe hämmerte in meinen Kopf. Kopfschmerztabletten waren unterwegs natürlich Fehlanzeige. Zu allem Überdruss hatte ich nach kurzem Downhill schon meinen ersten Platten - zum Glück auch meinen einzigen auf der ganzen Tour. Der war mit der tatkräftigen Hilfe unseres Guides Bernie schnell behoben und dann ging es weiter. Weiter unten kamen wir auf dem "Bahnweg" - einer alten Eisenbahntrasse - nach Cortina di Ampezzo (u.a. Austragungsort der Olympischen Winterspiele 1956). Die Cappuccinopause im Ort hätte besser nicht besser liegen können, mein Kopf hatte etwas Zeit sich zu erholen. Danach wurde es heftig .. heftig steil! Die Schotterstrasse führte uns bis hinauf zur Hütte Croda die Lago.
Mittagspause an der Croda Die Lago
Normale Autos konnten hier kaum mehr hochfahren, hier brauchte man schon einen Jeep. Nach der Mittagspause ging es dann auf einem weniger steilen Trail hinüber zur Forcolla Ambrizzola (2227m) ebenfalls mit einem traumhaften Rundblick. An einem der höchsten Berge der Dolomiten entlang, dem Monte Pelmo, führte uns der Weg auf holprigen Pfaden und später einem Stück Strasse zum Staulanza Pass. Nach kurzer Cafépause in dem unfreundlichen Café am Pass folgte der letzte Aufstieg zum nicht mehr ganz so hohen Col die Baldi. Ab hier ging es dann auf flüssigen aber auch steilen Trails nur noch bergab zum nächsten Etappenziel am Lago di Alleghe. Das Kopfweh war inzwischen besser geworden, trotzdem fühlte ich mich noch nicht wieder ganz so fit. So kam es, dass ich in einem steinigen Trail kurz vor unserem Ziel etwas die Kontrolle verlor was den einzigen unfreiwilligen Abgang der Tour zur Folge hatte. Ausser ein paar kleinen Schrammen passierte aber zum Glück nichts weiter. Das war nicht so ganz mein Tag, aber letztendlich schaffte ich es dann doch gut ins Ziel.

6. Etappe Alleghe – Feltre
In Alleghe ging es morgens früh los, denn der Wetterdienst hatte wieder hohe Temperaturen angekündigt und die erste Hälfte unserer Strecke führte grösstenteils über schattenfreie Strassen. Aus der Region Trentino-Südtirol fuhren wir immer weiter nach Venetien hinein was man nicht nur an der sich verändernden Achitektur erkennen konnte - kam man vorher mit Deutsch noch halbwegs durch, so wurde hier durchweg italienisch gesprochen. Der erste Teil des Tages verlief soweit dann recht unspektakulär. Die Sonne brannte mit fortschreitender Stunde immer unerbärmlicher auf uns hinab und zu allem Überdruss für manchen Teilnehmer nahmen die Steigungsprozente auch immer mehr zu. Nach dem Mittagessen ging es dann hinauf zu den Hochalmen am Passo d'Alvis. Eigentlich ist der Weg hinauf noch fahrbar doch in der sengenden Mittagshitze entschlossen sich einige von uns abschnittsweise lieber zu schieben. Auf den Almen angekommen bot sich uns nochmal ein herrliches Bergpanorama. Die Berge rundherum sind nicht mehr ganz so kalkweiss wie man es noch weiter nördlich vorfindet; hier gibt es schon deutlich mehr grün. Auf der Alm tollten ein paar Maultiere herum. Die letzten Meter zum Pass hinauf durften wir dann unser Bike wahlweise wieder schultern oder schieben. Die Belohnung für den Aufstieg folgte dann auf der anderen Seite: ein kilometerlanger Downhill wie man ihn nur selten findet. Der obere Teil ist etwas heikel: der schmale Weg ist zwar grösstenteils fahrbar und nicht steil .. aber der Hang ist es! Man muss keine Höhenangst haben, um hier sehr vorsichtig zu werden. Neben uns fiel der Hang unvermindert in die Tiefe. Für einen versierten Biker ist der Weg sicher kein Problem, wer nicht ganz so sicher ist, der sollte hier besser an einigen Stellen schieben und insbesondere in den Kurven aufpassen. Erst ab dem nächsten Plateau wird es dann für alle wieder etwas einfacher zu fahren. So kamen wir dann irgendwann hinunter zum Lago della Stua. Von hier war es nicht mehr weit nach Feltre. Den Ort kannte ich bisher nicht. Mit seinen über 20.000 Einwohnern ist er allerdings gar nicht mehr so klein wie man denken mag. Und insbesondere die historische Altstadt mit Häusern aus der Renaissance und ihren sehenswerten Sgraffitoverzierungen ist absolut sehenswert; sie erinnert schon sehr stark an Venedig. Auch das Klima war an diesem Tage schon sehr mediteran. Auf den Strassen war am heutigen Tage ein Fest. Überall waren kleine Attraktionen aufgebaut und besonders die Kinder hatten auch zu später Stunde noch ihren Spass.

7. Etappe Feltre - Bassano del Grappa
Die letzte Etappe bestand nur noch aus der Überquerung eines Berges: des Monte Grappa (1775m). Dieser massive Gebirgsstock bildet den letzten Gipfel der Alpen vor der venezianischen Tiefebene. In den drei Piaveschlachten im ersten Weltkrieg kamen auf dem Monte Grappa und den umliegenden Bergen tausende Soldaten aus Italien und Österreich-Ungarn ums Leben. Die Spuren von damals sind heute noch allgegenwärtig. Überall findet man in den Fels gehauene Schützenlöcher, Gräben und Hänge mit Golfballmustern aus flachen Trichtern. Die Wege, auf denen man sich bewegt, sind meist nichts anderes als historische Militärpisten und Maultierpfade. Auf dem Gipfel errichtete man in den 1930er Jahren unübersehbar ein monumentales Denkmal für die Gefallenen. Das Santuario aus dem feinsten Carraramarmor hat ein Ausmaß von gut 500 Metern.
Mailtierpfade am Monte Grappa
Die Auffahrt von Norden zum Rifugio Bocchette ist durchgehend asphaltiert. Bis Chiesa Nuova ist es noch keine allzu grosse Herausforderung. Kurz dahinter erwartete uns dann aber die "Mutter aller Rampen" mit abschnittsweise 25% Steigung. So manch einer hätte sich hier zwischendurch vermutlich einen Beissring als weiteren Halt auf dem Lenker gewünscht. Natürlich war es auch heute wieder sehr heiss. So verwundert es nicht sehr, dass die Getränkevorräte manches Teilnehmers bis zum Rifugio nahezu aufgebraucht waren. Im Gegensatz zu unseren vorherigen Abschnitten sollten wir hier die wenigen Brunnen an dem Berg auch nicht zum Auffüllen der Trinkflaschen nutzen, das Wasser hier ist wohl eher schlecht. Hinter dem Refugio ging es dann auf den erwähnten Militärpisten weiter. Nach zwei Stopps am Denkmal und dem Gipfelbistro ging es dann wieder bergab zum Zielort. Eigentlich findet man rund um den Monte Grappa sehr gute Trails; ich selbst bin schon auf einer früheren Transalp einen tollen und flüssigen Trail hinuntergefahren. Heute probierten wir aber einen anderen Weg. Leider funktionierte das nicht ganz und nach mehreren Versuchen den richtigen Pfad wieder zu finden, gaben wir etwas entnervt auf und rollten mit den Rennradfahrern dann die Fahrstrasse hinunter.

Zurück bleibt auf jeden Fall ein schöner Gesamteindruck. Wir hatten ingesamt viel Glück mit dem Wetter. Die Strecke war sehenswert und so mancher Trail war wieder ein Erlebnis. Interessant war auch dieses Jahr wieder zu beobachten wie die Fahrsicherheit in unwegsamen Gelände von Tag zu Tag zunimmt. Ein Freerider oder Downhiller werde ich sicher nie, aber wenn die Wege auch wirklich fahrbar im Sinne des S2-Level sind, kann auch ich meinen Spass haben.

30. Mai 2010

Letzte Vorbereitungen - 1 day to go

Heute ging es zeitig aus den Federn. Zu Viert sind wir nochmal auf der Ironmanstrecke geschwommen – es war einfach herrlich! Das Wasser ist so klar wie Meerwasser eben sein kann. Immer wieder schwimmen Fische an einem vorbei. Manchmal schwamm ich in Schwärme rein und hatte Bedenken beim nächsten Armzug plötzlich einen der Meeresbewohner in der Hand zu halten. Am Meeresboden kann man die Ruheplätze der Rochen sehen. Knapp unter der im Sonnenlicht schimmernden Wasseroberfläche gleiten indes immer wieder andere Triathleten an einem vorbei; die Sicht ist fast klarer als in unserem gechlorten Schwimmbecken zuhause. Um halb 10 haben wir dann unsere Räder nochmal von einem hiesigen Mechaniker durchchecken lassen, bei mir ist alles soweit in Ordnung.
Nach dem Frühstück bin ich nochmal die Laufstrecke gen Norden abgerollt. Auch am Flugplatz vorbei, Flieger kamen aber gerade keine rein als ich vorbeigerollt bin.

Um 16 Uhr waren wir dann in der Wechselzone und habe die Beutel sowie das Fahrrad abgegeben. Es dürfte sich dabei um eine der längsten Wechselzonen überhaupt handeln. Vom Schwimmausstieg bis zum Beginn der Radstrecke dürfte es schätzungsweise ein Kilometer sein. Auf eine gute Wechselzeit sollte hier also keiner hoffen. Die meisten Tribünen und Zelte stehen inzwischen. Am Strand haben sie hinter dem Schwimmausstieg Duschen aufgebaut, damit man das Meerwasser abspülen kann. Ich habe mir noch eine zusätzliche Wasserflasche in den Wechselbeutel gelegt, um mögliches Gedrängel unter den Duschen umgehen zu können. Nach einer kurzen Besichtigung der Profiräder ging es dann heim zum Abendessen. Nochmal wurden letzte Tipps mit den Lanzaroteerfahrenen ausgetauscht. Danach auf dem Zimmer letzte Vorbereitung und dann ab ins Bettchen. So langsam wird’s ernst – ich freu' mich auf einen schönen Wettkampf!

Akkreditierung und Expo - noch 2 Tage

Nach dem Frühstück bin ich heute 20 Minuten auf der Promenade laufen gewesen. Die Temperaturen sind inzwischen so hoch, dass man schon nach wenigen Metern nassgeschwitzt ist. Wenn das am Samstag auch so heiß wird, wird das eine echte Hitzeschlacht! Über das Meer kann man die Flieger rein- und rausfliegen sehen. Beim abschliessenden Marathon laufen wir direkt am Flughafen vorbei. Ich bin mal gespannt wie das ist, wenn knapp über dem Kopf ein so grosser Flieger hinweggeht. Vor unserem Hotel hat die Stadtverwaltung ein paar Gestelle fest installiert, wie ich sie sonst noch nie auf einer Strandpromenade gesehen habe. Der Zweck wird schnell klar, denn fast tagtäglich turnen hier irgendwelche Leute an den Geräten herum: das sind Outdoor-Fitnessgeräte! Das Angebot wird dankend angenommen; ausnahmsweise nicht von den allgegenwärtigen Trias, aber von rüstigen Senioren (eher in den Morgenstunden) oder auch Kindern und Jugendlichen (tagsüber). Das krasse Gegenteil von den Promandensportlern kann man auf der anderen Seite des Zauns um den Hotelpool entdecken, wo so manch einer unförmig die Hotelliege plattdrückt und auf das nächste Essen wartet. Jeder wie ihm beliebt.
Nachmittags sind wir dann in den „Sportlerknast“ La Santa am anderen Ende der Insel gefahren, wo es Startnummerausgabe, Expo und Wettkampfbesprechung gab. Man merkt die langjährige Erfahrung des Orgateams: am Ablauf gibt es wenig auszusetzen. Wobei auch offensichtlich ist, dass es sich hierbei eher um einen der kleineren Ironmans handelt. So befanden sich auf der Expo gerade mal um die 20 Stände. Zurück zu Hause erwartete uns Triathleten vom Hotel eine kleine Überraschung: ein kleines Energiegetränk mit einem Wunsch für ein gutes Rennen – sehr sympathisch! Wenn ich diesen Ironman mit den Namensvettern in Mitteleuropa vergleiche, dann wird ein Unterschied immer offensichtlicher: während man andernorts eher eine Nummer und als Altersklassenathlet Beiwerk ist, so steht hier jeder einzelne Athlet – egal ob Pro oder Amateur – im Mittelpunkt und wird mit einem gewissen Respekt behandelt, nicht wie Herdenvieh. Die Ironman-Lizenz für diesen Wettkampf hier läuft 2011 aus und es ist noch nicht klar, ob sie verlängert wird. Sollte die amerikanische Organisation beschliessen das Label an einen anderen spanischen Wettkampf zu vergeben, dann bleibt wirklich zu hoffen, dass der Wettkampf in Lanzarote vielleicht trotzdem unter einem anderen Label weiterbesteht. Hier werden dieser Tage viele in seinen Bann gezogen. Heute abend haben wir noch das Video aus dem Vorjahr angesehen: der Saal war voll - trotz hoteltypischem Abendprogramm im Nebenraum – und die Triathleten waren in unserem Saal an diesem Tag eher in der Minderheit.

Akklimatisieren - noch 3 Tage

Heute habe ich das Frühschwimmen auf der Originalschwimmstrecke verpasst. Nicht dass ich verschlafen hätte, nur hatte ich mir die falsche Uhrzeit gemerkt. Also habe ich kurzentschlossen mein Programm in der Bucht vor dem Hotel runtergespult. Ist schon komisch: 7:30 Uhr morgens, noch kein Pauschaltourist ist im Hotel oder gar schon auf der Strasse zu sehen - nur ein paar Triathleten toben sich an der Strandpromenade per Pedes oder mit ihren Rädern aus. In der Buch kann ich auch schon 2 Leute mit Neoprenanzügen schwimmen sehen. Wenn ich zuhause jemandem um 7:30 Uhr morgens erzählen würde, ich gehe schwimmen, laufen oder radfahren, dann würde der mich vermutlich für vollkommen verrückt halten. Hier ist das in diesen Tagen vollkommen normal und ich scheine eher spät dran zu sein, wenn ich mir das Treiben an der Promenade so ansehe.
Nach dem Frühstück sind wir die Radstrecke nochmal mit dem Auto abgefahren. Am Anfang macht sie ja noch Laune und wir neigten im Wagen zu Scherzen. Aber irgendwann kam dann doch bei den Meisten der Punkt, an dem man sich fragte, ob der Kurs nicht doch langsam zuende sein müsste. Doch anstatt dessen zog sich noch kilometerweit das Asphaltband durch die Vulkanlandschaft dahin. Ich würde mal sagen, die Strecke hat gefühlte 200 km. Die neue Schleife soll den Kurs auch etwas länger gemacht haben, aber so genau weiss das gerade keiner.
Im Anschluss schwang ich mich dann noch ein bisschen auf das Rad. Nach einer kurzen Runde am Wasser ging es auf dem Ironmankurs raus aus dem Ort in die Vulkanlandschaft. So ungeschützt von den Häusern war der Wind hier draussen schon recht grenzwertig. Ich musste mich anstrengen das Rad im Verkehr ruhig zu halten. Als ich ungefähr die Hälfte meiner Runde geschafft hatte, blies der Wind von vorne und ich hatte auch noch einige Steigungsprozente zu bewältigen. Mit so einem Wind würde das Rennen echt hart! Nach einer kleinen Schleife ging es auf die Abfahrt zurück nach Puerto del Carmen. Auch hier musste man noch aufpassen, dass der Wind einen auf der schmalen Strasse nicht zu sehr vom Kurs abbrachte. Ein Engländer holte mich ein: wir hielten einen kurzen Plausch und zum Wind meinte er nur „horrible!“ - wie wahr!
Im Ort radelte ich noch zurück zum Zielbereich an der Touristenmeile. Hier spricht man grösstenteils britisch. Das Wetter war gut, es war warm und so liefen hier überdurchschnittlich viele Briten mit freiem Oberkörper herum. Wie war das doch gleich mit den Klischees? Doch so richtig glücklich sahen sie nicht aus. Vermutlich waren sie etwas frustriert von all den durchtrainierten Athleten, die ihnen hier sichtlich die Schau stahlen. Es verging auch hier keine Minute, ohne dass nicht irgendwer hier vorbei gelaufen kam oder eine kleine Extrarunde mit seiner Zeitfahrmaschine drehte. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass nicht auch ich diese seltene Aufmerksamkeit ein bisschen genoss. Nicht nur einmal wurde ich von neugierigen Touristen angesprochen, die mehr wissen wollten: wer ich wäre, ob ich ein Pro wäre und mir Siegchancen ausrechnen würde, ob das mein erster Start hier wäre, etc. Auf dem Gehweg stehen schon die ersten Zelte und Tribünen. Unterwegs auf der Promande haben sie auch Würfel aufgestellt, auf denen neben Photos und ein paar Informationen vor allem eine komplette Starterliste abgedruckt ist - finde ich ein guten Service für das Publikum.

Ankunft auf Lanzarote - noch 4 Tage

Gestern hat es mich gesundheitlich nochmal erwischt. Vermutlich einfach übermüdet. Heute geht es jetzt besser. Unser Flug hatte mal wieder Verspätung, weil ein Computer vor dem Start nicht richtig funktioniert hat; aber Hauptsache ist, der Flug ging überhaupt nach all dem Vulkan-Trara der letzten Tage. Mein Rad und ich sind gut angekommen, nur einer der Münchner Mitreisenden vermisst sein Rad. Die Fluglinie hat es vergessen auszuladen. Glück im Unglück: der Flug ging nach Fuerteventura weiter und dort wurde es dann ausgeladen, d.h. Er sollte das Rad noch rechtzeitig vor dem Wettkampf bekommen können. Das Hotel ist besser als das im Frühjahr, frisch renoviert, ein ganzes Doppelzimmer für mich allein und kostenlosen Internetzugang .. wenn er denn mal funktioniert. Wenn man vor dem Haus steht, wird einem eine echte Show geboten: ungefähr alle 30 Sekunden kommt irgendwer vorbei gelaufen oder mit seinem Hightech-Hobel den Buckel hoch oder runter gerollt. Und alle sehen natürlich super trainiert aus. Das ist genau der Grund, warum ich es bisher vermieden habe früher bei solchen Langdistanzen im Wettkampfort anzureisen. Aber die Menge der Sportler ist hier schon wieder so hoch, dass das fast irreal ist und man eigentlich nur noch drüber schmunzeln kann. Ich lasse mich auf jeden Fall nicht von denen verrückt machen und ziehe mein Taperingprogramm ohne weitere Stresseinheiten durch.

20. August 2009

Windiger Mythos des Radsports

Jeder der sich mit mit dem Strassenradsport und der Tour de France auskennt, hat den Namen schon mal gehört: Mont Ventoux. Doch nicht etwa grosse Steigungsprozente haben diesen Berg bekannt gemacht – da gibt es andere interessantere Ziele in den Alpen -, sondern mehr die Dramen, die sich an ihm im Laufe der Radrennen abspielten und diesen Berg zu einem „Mythos des Radsports“ (R. Geser: 100 Alpenpässe mit dem Rennrad) gemacht haben. Nebenbei ist er von geographisch wie auch topographisch günstig gelegen, so zieht er jedes Jahr immer wieder viele Radsportler in seinen Bann. Der Mont Ventoux ist mit 1912 Metern die höchste Erhebung ca. 40 km nord-östlich von Avignon in den provenzalischen Voralpen, vereinzelt wird er auch den Dauphiné-Alpen zugeordnet. Er ist 25 Kilometer lang und 8 Kilometer breit und steht als einer der letzten Ausläufer der Alpen allein auf weiter Flur, so bietet er bei günstigen Witterungsbedingungen von seinem Gipfel eine herrliche Rundumsicht.Südlich liegt die Ebene von Vaucluse und etwas weiter östlich die Gorges de la Nesque. Weiter im Südosten erstrecken sich Rhôneebene und -delta. Bei sehr gutem Wetter soll man gleichzeitig das Mittelmeer und die höchsten Gipfel der Alpen sowie der Pyrenäen sehen können.

Der Name des Berges leitet sich wahrscheinlich von „Mons Ventosus“ (lat. „Windiger Berg“) ab, eine andere Interpretation ist das altkeltische Wort „went“, was soviel wie „Berg“ bedeutet. Wegen seiner abgerodeten, kahlen Flanken und Kalkschotterfelder wurde er auch als Mont Pelé (geschälter Berg) bezeichnet. Manch müder Radfahrer, der sich verzweifelt über eine der Auffahrten durch die mondlandschaftsähnliche Stein- und Geröllwüste hochgequält hat, soll ihn auch einfach nur „Dreckhaufen“ genannt haben. Der ehemals üppige Baumbestand wurde zu Zeiten des Ancien Régime zum Bau der Seeflotten des abgeholzt. An seinen Hängen vereinigt der Mont Ventoux alle europäischen Klima- und Vegetationszonen vom Mittelmeer bis Lappland. So kann es bis in den Mai hinein auf dem Berg noch schneien und das ganze Jahr hindurch muss man mit einem starken und besonders im Sommer sehr kalt wirkenden Wind rechnen. Auf der Wetterstation am Gipfel zeichnet seit 1888 immer wieder Wetterrekorde wie Windböen um die 320 km/h und Temperaturen im Winter um -30°C.

Den Gipfel kann man über 3 verschiedene Auffahrten erklimmen: die bekannteste ist wohl die Südrampe von Bédoin, dann gibt es noch die Westrampe von Malaucène (wird manchmal auch als Nord- oder Nordwestrampe bezeichnet) und die Ostrampe von Sault. Während die Tour de France bei ihrer ersten Befahrung 1951 den Berg über die Westseite von Malaucène aus in Angriff nahm, führten alle weiteren Befahrungen dann aus Richtung Bédoin über die Südrampe hinauf. Ohne zu rasen kann man als Fahrtzeit ungefähr 2 ½ bis 3 ½ einkalkulieren, der bisherige Streckenrekord wurde im Jahr 2004 bei einem Bergzeitfahren mit knapp 56 Minuten aufgestellt.

Die Südrampe hat eine Länge von 21 km und es sind 1609 Höhenmeter zu überwinden, die durchschnittliche Steigung ist 7,5 Prozent. Schon am Start in Bédoin mit seinen okerfarbenen Häuschen kann man das Ziel sehen, die Wetterstation und verschiedene Sendeanlagen am Gipfel sind nicht zu übersehen. Und als ob das nicht genug ist, wird man regelmässig durch Schilder am Wegesrand darüber informiert, was man noch vor sich hat. Während die Steigung auf den ersten Kilometern noch relativ moderat ist, steigt der Weh hinter Saint-Estève deutlich an und beträgt in derRoland-Schlucht die nächsten acht Kilometern durchgehend mehr neun Prozent. Erst am "Chalet Reynard" hat man die Chance etwas zu verschnauffen. Hier gibt es auch einen Brunnen mit Trinkwasser, wo man die leeren Flaschen wieder auffüllen kann. An sonnigen Tagen sollte man die Chance auf jeden Fall nutzen, denn oberhalb der Baumgrenze ist Schatten in der nun folgenden Geröllwüste Fehlanzeige. Die Strasse weisst weiter gen Gipfel erst moderate fünf Prozent auf, doch nach einem Kilometer ist der Spaß wieder vorbei und es geht mit acht Prozent die letzten fünf Kilometer zur Wetterstation. Auf dem Weg dorthin kommt man etwas unterhalb des Gipfels auch an der Gedenkstätte für Tom Simpson vorbei, der bei der Tour 1967 eben an dieser Stelle kurz vor dem Ziel in Führung liegend zusammenbrach und so auch den Mythos des Mont Ventoux mit geprägt hat. Fast die komplette Südrampe wird man von Strassenmalereien aus vergangenen Radrennen auf den Ventoux begleitet.

Die Westrampe führt von Malaucène über 21 km und 1679 Höhenmeter zum Gipfel. Das kleine und typisch provenzalische Städtchen Malaucène läd mit seinen engen, verwinkelten Gassen und einer Wehrkirche aus dem 14. Jahrhundert zu einem Päuschen ein, bevor man den Berg erklimmt. Die Straße dorthin startet mit Steigungen bis zu 11%. Der Weg ist gesäumt von Pinien links und rechts des Weges. Zwischendurch wird es etwas flacher. Hinter der Skistation Mt. Serein, wird der Weg schmaler. Es folgen nochmal 6 km mit durchschnittlich 10% Steigung bis oben, ein Steigungsstück zwischendurch soll auf 1 km Länge sogar 12% haben. Ich persönlich fand diesen Aufstieg von allen 3 Auffahrten fast am schönsten. Zu erwähnen ist vielleicht noch, dass man von Bédoin kommend auf der Anfahrt nach Malaucène auch über einen Col de la Madelaine fährt, dieser hat natürlich nichts mit dem berühmten Alpenpass zu tun- den Namen gibt es wohl öfters.

Die Ostrampe ab Sault ist mit 26 km die längste Anfahrt und geht über 1194 Höhenmeter. Allerdings ist sie auch die relativ leichteste der drei Auffahrten zum Gipfel. Die Steigung geht selten über 5 Prozent hinaus. Zwischendurch gibt es auch immer wieder flachere Passagen, in denen man ausruhen kann. Am "Chalet Reynard" trifft man auf die Auffahrt von der Südrampe. Die letzten Kilometer sind dann mit dieser identisch. Die Ostrampe sind wir diesmal nur hinunter gefahren. Vielleicht sollten wir diese beim nächsten Mal auch hinauffahren, dann können wir in den “Club des Cinglés du Mont-Ventoux” eintreten; Aufnahmevoraussetzung für den Club ist, dass man alle 3 Aufstiege einmal gemacht hat.