9. Oktober 2008

Besuch von Meister Adebar

Ein Aspekt beim Sport, über den sich nur selten in der Literatur etwas findet, aber der gerade Outdoor-Sportlern besonders wertvoll ist, ist das Erlebnis Natur. Oft erlebe ich Dinge, die ich sicher nicht mitbekommen würde, wäre ich nicht regelmässig draussen unterwegs - auch mal dann, wenn Otto Normalbürger schon zu Hause, beim Shopping oder vielleicht im Kino sitzt. Gerade erst gestern war es wieder soweit.

Zur Zeit bin ich in der Vorbereitung für einen Herbstmarathon. Nach einem langen Arbeitstag stand dann gestern die wöchentliche Trainingseinheit auf der Laufbahn auf dem Programm: 5 x 2.000 Meter im Wettkampftempo. Die Sonne war während des Trainings recht schnell hinter dem Horizont verschwunden und der Mond schaffte es nicht recht durch die Wolkenschicht. So hüllte ein dunkles Band das Land in eine fast geheimnisvolle Ruhe. Ich hatte schon vier Intervalle hinter mich gebracht und war schon ziemlich müde. Gerade startete ich zu meiner letzten Einheit da schwebten plötzlich zwei grosse, dunkle Schatten lautlos über den Sportplatz. Ihre Umrisse hoben sich nur unscharf vom düsteren Himmelszelt ab - ein fast mystischer Moment. Auf einem dunklen Flutlichtmast der Gegengeraden fanden die Schatten ein Ziel. Kurz nach ihrer Landung gaben sie ihre Identität preis - ein Klappern ihrer grossen Strochenschnäbel klang zu mir herunter und leitete das Finale meines letzten 2000ers ein.

Übermorgen habe ich das Erlebnis vielleicht schon wieder vergessen. Aber zum Glück gibt es immer wieder diese Momente, die den Sport in der Natur zu grossartig und erlebenswert machen: heute sind es Storche am Himmel, morgen ein Feldhase oder Falke am Feldesrand, und übermorgen vielleicht ein Reh im nebelbehangenen Wald.

5. Oktober 2008

High Noon zwischen Lavafeldern

Einmal im Jahr bin auch ich als aktiver Sportler zum Zuschauen verdammt. (Sportlich) Passiv klebe ich die halbe Nacht bis in den frühen Morgen vor Computermonitor und TV und erlebe Spannung wie ich sie sonst nur selten bei anderen Live-Übertragungen von Sportereignissen empfinde. Seit 1978 findet jährlich Anfang Oktober auf Hawaii der "Ur-Ironman" - also der älteste und gleichzeitig auch bekannteste Ironman statt. Am 11. Oktober ist es wieder soweit! "Er ist das höchste Ziel der meisten Triathleten .. und gilt als einer der schwierigsten Ausdauerwettkämpfe der Welt. Neben der extremen Länge der Wettkampfstrecke kommen auf Hawaii die erschwerenden Wettkampfbedingungen, denen die Athleten während des Rennens ausgesetzt sind, hinzu. Neben der Hitze von zum Teil über 40 Grad Celsius können die aufkommenden Mumuku-Winde vor allem auf der 180,2 km (112 Meilen) langen Radstrecke das Rennen stark beeinflussen" (Wikipedia). Schon Wochen vorher fangen auch hierzulande die Medien an regelmässig von der pazifischen Inselgruppe zu berichten. So ist es nicht verwunderlich, wenn man auch als dort nicht selbst aktiver Triathlet trotzdem irgendwann in den hawaiianischen Bann gezogen wird und der Berichterstattung in den Fachmedien aufmerksam folgt. Zumal ich einige der Starter dort persönlich kenne.
Die Sportredaktionen der öffentlich-rechtlichen TV-Sender haben dieses Jahr vermutlich das meiste Geld in die Olympiaberichterstattung gesteckt, so bleibt heuer für den Ironman nur noch wenig Sendezeit für Vor- und Nachberichterstattung; eine Livesendung wird es wohl nicht geben. Dafür wird der Wettkampf im Internet mit englischsprachigem Kommentar live übertragen. Eine Zusammenstellung der Übertragungen findet sich hier.

23. September 2008

Der König der Pässe

Als Sportler hat man so seine kleinen und grossen Träume. Einen davon konnte ich mir auf meinem Alpencross verwirklichen: endlich mal über den "König der Pässe" .. "die grösste Herausforderung in den Alpen" (T. Mayr: Rennradfahren in den Alpen), "die Krone der Passstrassen" (Tour-Magazin) - die Radsportliteratur spart nicht an Superlativen. Hierbei kann es sich nur um einen Pass handeln: das Stilfser Joch - der Passo Stelvio. Hier ein paar Daten zur klassischen Auffahrt von Prad auf der Nordostseite:
Höhe: 2757 Meter
Höhenmeter: 1840 Meter
Maximale Steigung: 15%
Durchschnittliche: Steigung 9%
Die Streckenlänge wird je nach Start- und Zielort meist mit ungefähr 26 Kilometern angegeben.

In der Literatur wird die Strasse fast einhellig als extrem schwieriger und extrem langer Anstieg bezeichnet. Die Auffahrt für Hobbyradler wird mit über 2 Stunden kalkuliert. Zu deutsch - eine echte Plackerei!
Der Pass verbindet das Vinschgau mit dem Veltin - grossräumiger gesehen Südtirol mit der Lombardei - und ist mit dem Pass am Col d'Iseran und der Restefond-Bonette-Passstrasse einer der höchsten Übergänge der Alpen. Die Strasse wurde 1825 von dem Italiener Donegano in nur 5-jähriger Bauzeit auf Geheiss von Kaiser Franz Josef I. erbaut und windet sich in 48 Kehren nach oben. Die frühesten Spuren des Fusswegs gehen bis in die Bronzezeit zurück. Ab dem Ort Gomagoi sind alle Serpentinen in absteigender Reihenfolge nummeriert. Mit Nummer 22 beginnt an der Franzenshöhe der baumfreie Schlussanstieg, auf dem man die letzten Kehren und die Passhöhe meist im Blick hat; so mancher Radler soll hier schon sein Rad frustriert und erschöpft in den Graben geschmissen haben. Die Passstrasse wird immer wieder gerne vom Giro d'Italia besucht, aber auch das "Race across the Alps" und die "TOUR-Transalp" schauen regelmässig vorbei. Einmal im Jahr gibt es i.d.Z. auch einen Radtag, an dem die Strasse für Autos und Motorräder gesperrt ist.

Was reizt einen Radler diese Schinderei auf sich zu nehmen? Nun .. neben dem Hochgefühl, dass man hat, wenn man diese Strasse gemeistert hat, ist es sicher vorallem die grandiose Landschaft mit den Ausblicken auf die wild und urwüchig gebliebene Ortlergruppe mit dem majestätisch aufragenden Gletscher des Ortlers. Unnötig zu erwähnen, dass auch ich die Auffahrt genossen habe - ein unvergessliches Erlebnis!

8. September 2008

Aus dem Allgäu an den Gardasee

Es gibt sportliche Herausforderungen, die lassen sich nicht mit Zeit bemessen - da zählen mehr Dabeisein und Ankommen. In diesem Fall heisst das magische Wort: ALPENCROSS über die Joe-Route. "Die erstmals 1995 vollständig befahrene Joe-Route von Oberstdorf zum Gardasee über das Stilfser Joch ist sicher eine der schönsten und erlebnisreichsten Überquerungen der Ostalpen. Namen wie der Schrofenpass mit der berüchtigten Leiter über dem Abgrund, das Silbertal mit Patteriol, der Fimberpass über der Heidelberger Hütte, die Val d'Uina-Schluchtgalerie, das Stilfser Joch am Ortler mit seinen Militärpisten, der smaragdgrüne Lago di Pian Palu unterm Cevedale und der Bärenpass in der Brenta sprechen für sich. Auch der Kaiserschmarrn im Hasahüsli, der erste Cappuccino in Glurns oder die Polenta mit Pilzen auf der Bosihütte bleiben im Gedächtnis haften. Die Joe-Route führt aus dem Allgäuer Haupttal in die Lechtaler Alpen, durch das Verwall ins Paznaun mit Ischgl, über die Silvretta ins Unterengadin, über die Sesvenna in den Vinschgau, passiert die Mauer der Ortlergruppe am Stilfser Joch mit der Dreisprachenspitze und der Bocchetta di Forcola, folgt dem Giro d'Italia über den Gavia und schwindelt sich zwischen Adamello, Presanella und Brenta mit Madonna di Campiglio zum Gardasee. Urige Berghütten und gemütliche Gasthöfe sorgen für eine stimmige Abendkulisse." (A. Zahn) Ich darf mich ab sofort zu den glücklichen Bezwingern dieser Route zählen und bin mächtig stolz darauf, denn das war ein hartes Stück Arbeit!Leider wurde die Tour vom "Erfinder" Achim Zahn 2008 zum letzten Mal angeboten. Natürlich kann man sie aber nach wie vor mit eigener Organisation befahren, er hat die Route in seinem Buch sehr gut beschrieben.

17. August 2008

Hoch oben im Schwarzwald

Im letzten Jahr habe ich erstmals einen Kalender mit Sportphotos zusamen gestellt und meinen Lieben geschenkt. Den kann man übrigens als Tischkalender im Kleinformat auf meinem Arbeitsplatz zu bewundern. Mir hat die Bildauswahl sehr gut gefallen und so bin ich auch dieses Jahr wieder auf der Suche nach schönen Motiven und Bildern. Dieses Bild vom gestrigen Tage hätte eine gute Chance in die engere Auswahl zu kommen.

10. August 2008

Laufcomeback im Spätsommer

Auch das gehört zum Sportlerleben dazu. Samstag habe ich "aus dem Stand heraus" - also ohne grosse Vorbereitung einfach aus Lust und Laune mal wieder bei einem Volkslauf mitgemacht. Die Grundlagenausdauer habe ich noch aus meinem Triathlontraining, seit meinem Ironman habe ich aber kein grösseres Lauftraining mehr absolviert und fahre eigentlich nur noch Rad. Nachdem ich mich nun aber wieder auf einen Marathon vorbereiten möchte, musste ich mit dem Laufen mal wieder anfangen und ein kürzerer Volkslauf schien mir als Bestimmung meines Leistungsniveaus ideal. Meine Wahl fiel auf den sehr schönen Lauf in Güttersbach. Der Lauf ist nicht ohne, geht es doch durch den Odenwald; am Ende hatte ich nach dem 10,5 km langen Lauf rund 230 Höhenmeter auf meiner Uhr. Vom subjektiven Eindruck her schien mir der Lauf hinsichtlich der Platzierung zwar ganz gut gelungen zu sein, aber mit einem Treppchenplatz hatte ich nicht gerechnet und bin direkt im Anschluss heimgefahren - so kann man sich irren. Wie ich aus der Ergebnisliste erfahren habe, bin ich Dritter meiner Altersklasse geworden und hätte einen Pokal bekommen. Schade. Aber ich seh's so: vielleicht habe ich einen Preis verpasst, aber dafür habe ich wieder einen schönen Volkslauf kennengelernt und ein ganz gutes Ergebnis erzielt, dass Hoffnung auf einen guten Laufherbst macht - ist doch auch was!
Hier noch der Link zu einem Bericht vom Lauf.

5. August 2008

Auf dem Hausberg

War mal wieder nach Feierabend mit dem Mountainbike in den Heidelberger Wäldern unterwegs. Es gibt nichts schöneres als nach einem stressigen Arbeitstag dem Trubel und der Hektik der Stadt zu entfliehen, ein bisschen in der freien Natur zu entspannen und dabei noch etwas für die Gesundheit zu tun. Eine "Lieblingsrunde" habe ich nicht, ich liebe die Abwechslung und davon hat man hier als Biker genügend. Neben schönen, breiten "Waldautobahnen" kann man auf schmaleren Trails auch mal die Fahrtechnik üben. Es bieten sich hier immer wieder tolle Ausblicke auf Heidelberg, die Rheinebene, Odenwald und Kraichgau. Natürlich gibt es auch ein paar Wege und Orte, die ich öfter befahre und besuche. Die Vegetation kommt mir auf der Südseite des Neckars etwas abwechslungsreicher vor als auf dem Heiligenberg am nördlichen Neckarufer, deshalb bin ich hier vielleicht etwas häufiger unterwegs. Die Krönung einer jeden MTB-Tour ist für mich die Aussichtplattform am 568m hohen Königstuhl. Hier kann man den Blick über die Rheinebene schweifen lassen. Auf der anderen Seite des weiten Rheintals sieht man die Haardt, den Mittelgebirgszug am Ostrand des Pfälzerwaldes. Im Süden kann man an manchen Tagen den Schwarzwald sehen, im Norden die Bergstrasse mit Heiligenberg, Weissem Stein und Hohem Nistler. Auch hat man vom Königstuhl einen tollen Blick auf Heidelberg. Neben der Aussichtplattform befindet sich die Gipfelstation der Heidelberger Bergbahn. Nur wenige Schritte entfernt befindet sich eine Falknerei und das Märchenparadis, ein kleiner Freizeitpark für kleinere Kinder mit animierten Märchengruppen und einer elektrischen Pferdeeisenbahn. In den Wald führt ein Waldlehrpfad, den ich auch gerne auf meinen Touren abschnittsweise befahre. Vom Heidelberger Schloss führt über 1200 Stufen eine Natursteintreppe hinauf zum Aussichtspunkt - übrigens eine gute Herausfoderung für jeden Bergläufer! Etwas unterhalb der Plateaus befindet sich noch eine Startrampe für Paraglider. So ist der Königstuhl gerade am Wochenende ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen, Wanderer und Sportler - Ruhesuchende sollten ihn dann eher meiden. Unter der Woche ist es deutlich ruhiger und man kann schon mal ungestört die Gedanken bei dem Blick über die Rheinebene und die Berge schweifen lassen.

Etwas hat sich dieses Jahr zu den Vorjahren noch verändert. Neuerdings wurde die Plattform mit Kies aufgefüllt und man findet hier nun auch eine Waldgaststätte mit Bierbänken. Als ich dies zum ersten Mal sah, tat mir das schon ein bisschen "weh" - in Zukunft wird es hier sicher nicht mehr ganz so ruhig sein. Andererseits ist das ein sehr schöner Platz für einen Biergarten und als Mountainbiker kann auch ich davon profitieren und mir mal zwischendurch eine kühle Apfelsaftschorle gönnen. Neben den obligatorischen Pommes oder Obatzda kann man hier auch Flammkuchen bekommen. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern scheinen die neuen Wirte auch nicht mehr so unfreundlich gegenüber Sportlern eingestellt zu sein. In 2009 soll anstelle des bisherigen Gebäudes noch ein Luxushotel eröffnen. Es bleibt zu hoffen, dass die Beschaulichkeit diese Ortes darunter nicht noch mehr leidet. Bis dahin werde ich weiterhin immer wieder gerne hier hoch kommen und die Aussicht geniessen.